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Mittwoch, 24. Mai 2023

Alice liest... Liebe in Zeiten der Taisho-Ära

 "Das mit dem gemeinsamen Zielen ist mir inzwischen völlig egal. Heirate mich. Du wirst deine Entscheidung nicht bereuen."


Rinko ist Tochter eines verarmten Adeligen in Japan im 20. Jahrhundert. Sie kennt es, wenn ihr Vater in komische Dinge verwickelt wird, doch diesmal meldet er Rinko bei einer Ehevermittlung an ohne ihr Bescheid zu geben. Und schon kommt der Herzog Ouga ins Spiel, der nach etlichen anderen Vermittlungen keine Lust mehr drauf hat. Was Rinko aber nicht wusste ist, dass Ouga nicht so schnell loslässt, nachdem Rinko in kalt abserviert hat.


Ich habe nicht gedacht, dass ich früher so viele Manga mit solchen Charakteren gefühlt inhaliert habe. Ich habe den Band nur aufgehoben, weil ich wissen wollte, wie sehr sich mein Geschmack verändert hat, aber ich habe nicht damit gerechnet den so sehr zu mögen. Wie man so schön auf Englisch sagt, old habits die hard.

Gleich nach dem ersten Kapitel habe ich solche Throwbacks bekommen zu meiner Zeit als ich "Maid-sama" gelesen habe. Es hilft auch nicht, dass die "ich bin nicht wie andere Mädchen"-Protagonistin auch eine Kampfsportart kann und der Love Interest sie nicht in Ruhe lässt. Aber auch wenn das nicht mehr ein Manga ist zu dem ich heutzutage greifen würde, hatte ich so viel Spaß gehabt, als wäre ich wieder 13 Jahre alt und lese alle 18 Bände von "Maid-sama". 

Jedenfalls, die Reihe ist ganz kurz und schon mit 2 Bänden abgeschlossen. Wie man bei meinem Vergleich sehen konnte, ist "Liebe in Zeiten der Taisho-Ära" super für "Maid-sama" Fans!

Zum Shop: Liebe in Zeiten der Taisho-Ära 1


Alice liest... BL forever VS No More BL

"War heute das erste Mal, dass ich einen Geist gesehen habe. Aber ich kann mir gut vorstellen was mit dem Typen passiert, der den Geist jetzt an der Backe hat. Natürlich verliebt er sich. Hab davon gelesen."

Hübsche Männer wohin das Auge reicht. Und Frauen sind alle... verschwommen? In dieser Welt lebt unser Protagonist, in der Welt von Boys Love Mangas. Damit er nicht selber Opfer eines überbenutzten Boys Love Trope wird, wird er (ungewollt) zu einem Boys Love Experten durch Mangas und versucht ein Leben als ein Nebencharakter zu leben. Doch das erweist sich manchmal als schwerer als er sich wünscht.


Ich muss zugeben, dass ich zuvor das Live Action Drama davon gesehen habe und musste danach auch sofort den Manga lesen, als Egmont den veröffentlicht hat. Für jemanden, der auch viele Boys Love Manga schon gelesen habe, ist es so witzig zu sehen, wie jemand versucht, diese Tropes zu umgehen. Wie man vielleicht schon rauslesen kann, fühlt es sich eher an wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, was nicht umbedingt schlecht ist, bloß weiß ich, dass manche lieber eine durchgehende Geschichte haben wollen, anstatt nur einem recht passiven Protagonisten, der nur beobachtet. Trotzdem kommen manche Charaktere wieder und deren Geschichte wird Stück für Stück weiter ausgebaut, wie zum Beispiel der kleine Bruder vom Protagonisten.


Was ich bisschen witzig finde ist, dass Egmont auf im Manga "Konkici" als Mangaka stehen haben, sie aber "Konkichi" heißt und auch so auf deren Website steht. Wird der Verlag es bemerken oder ziehen sie es durch? Wer weiß!

 

Fun Facts beiseite. Wenn man Boys Love Fan ist, muss man den einmal gelesen haben, um teilweise zu sehen wie lächerlich manche Tropes sind. Aber auch für jemanden, der kaum Ahnung hat von Boys Love Manga, ist es ein guter Comedy Manga, wo jemand versucht ein ruhiges Leben zu leben, das jedoch nicht immer klappt.

Wenn man lustig drauf ist, kann man sich auch das Live Action Drama geben, dass mir so viel Freude und Fremdscham gleichzeitig gegeben hat, und die erste Staffel ist auch mit 4 Episoden abgeschlossen (uns eine 2. Staffel wurde auch angekündigt!). 


Zum Shop: BL Forever VS No More BL






 

Sonntag, 30. Januar 2022

Kristina liest ... "Shiver - Meisterhafte Horrorgeschichten" (Deluxe Edition)




 

Junji Ito geht in die 3. Horrorrunde!

Neben der titelgebenden Kurzgeschichte "Shiver" werden in dieser Ausgabe - anders als bei den Vorgängern "Uzumaki" und "Gyo" - 9 weitere, grauenvoll-gruselige Horrorgeschichten erzählt. 

So begegnet Frau Fuchi der Leseschaft als, gelinde gesagt, "unkonservatives" Model in diesem Band wiederholt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Während die Henkerballons ihre Runden drehen, erfahren wir, was eine gebrauchte Schallplatte für eine mörderische Sucht auslösen kann und freuen uns über kulturellen Input in Form von Malerei und Marionettenspiel. Doch die langen Träume werden nicht ewig wären, trotz der Erinnerung der ehrenwerten Vorfahren, denn mit Glyzerid gießt Junji Ito in das bis dahin schauderhafte Spektakel erneut ein wenig zu viel Öl ins Feuer.

 

Verstörende Realitäten

Dabei bleibt sich der Mangaka treu: Scheinbar harmlose Szenarien eskalieren in surrealistische Situationen, aus denen es kein Entkommen gibt. Abgerundet werden diese Geschichten mit Kommentaren und Manuskriptauszügen, die Einblicke in den Entstehungsprozess gewähren sollen.

Insbesondere die Erzählung vom Maler beschäftigt sich mit der unerreichbaren Gier nach Perfektion und stellt, fast schon beiläufig, die Protagonistin des im März erscheinenden Bands vor: Tomie, ein Mädchen von überragender Schönheit, die sich nichts mehr wünscht, als dieses in Form von Bild oder Skulptur zu verewigen. Wieso ein Foto nicht ausreicht? Nun, das Herauszufinden, ist euch überlassen.


Fazit: Gewohnte Qualität und willkommene Abwechslung

Während die vorangegangenen Bände hauptsächlich aus jeweils einer großen Geschichte und wenigen Bonuskurzgeschichten bestanden, überrascht Shiver mit einer gelungenen Abwechslung aus harmlosen und brutalen Horrorstories. Obwohl der Fokus hierbei auf schnell eskalierende Situationen fällt, nimmt das keineswegs die Spannung. Auch hier bleibt am Ende das Gefühl der Überforderung - wie konnte es nur so schnell so weit kommen? Und wie würde es in dieser oder jener Geschichte weitergehen?

Auch der Zeichenstil bleibt qualitativ hochwertig, insbesondere die bedrückenden Momente (Glyzerid), Angstgefühle (Lange Träume) oder auch nur das vermeintliche Monster selbst (Malerei, Model) sind so detailliert gezeichnet, dass das Unwohlbefinden (und der Schauer über den Rücken) wie von selbst kommt.

Natürlich für Fans von Junji Ito und surrealistischen Horrors ein absolutes Muss! Doch auch für Quereinsteiger empfehlenswert, da kein Vorwissen von nöten ist!

 

Wertung: 5 / 5

 

Shop: www.comic-time.de/shiver


Randnotiz:
2019 erschien "Uzumaki - Spiral into Horror" hierzulande.
Gefolgt von "Gyo - Der Tod aus dem Meer" 2020 und "Shiver - Meisterhafte Horrorgeschichten" 2021.
Geplant sind "Tomie - Es gibt kein Entkommen" für den 22.03.2022, sowie "Lovesickness - Liebeskranker Horror" für den 02.08.2022.

 

Montag, 10. Januar 2022

Kristina liest ... "Dead Mount Death Play" (Band 1)


 

 

Wie tötet man einen Leichengott?

In einer längst vergangenen Zeit stellt sich Shagrua, der von der Kirche entsandte legendäre Unheilbrecher, dem fürchterlichen Nekromanten in einem erbitterten Duell. Zu lange hat Shagrua nach ihm gesucht, zu stark ist die Sehnsucht, diesem Unruhestifter endlich das Handwerk zu legen. Doch was der Held nicht weiß: Es ist gar nicht so einfach, einen magischen Leichengott zu legen.

Raus aus der Vergangenheit, rein in die Zukunft

Nach dem finalen Kampf und des Sieges gewahr, ahnt Shagrua nur bedingt, dass der soeben Getötete plötzlich an einem anderen Ort, in einer vollkommen anderen Zeit erwacht: als Polka Shinoyama - mit einer sehr tiefen Halsschnittwunde. 

Dass diese Verletzung höchst ungewöhnlich ist - vor allem, wenn die betroffene Person auch noch quickfidel damit herumläuft -, findet auch die örtliche Polizei des modernen Tokios und hält den "neuen" Polka auf. Bevor der Plausch Antworten bringt, mischt sich eine junge Frau namens Misaki Sakimiya ein und flüchtet mit Polka. 

Was der Beginn einer wunderbaren Freundschaft hätte werden können, entpuppt sich als erbarmungslose Jagd, in der es um Leben und Tod geht.

Fazit: Spannender Einstieg mit unterhaltsamer Situationskomik

Ryohgo Narita erzählt nicht nur eine Geschichte, in der es um Gut und Böse geht, in der es klare Grenzen zwischen dem Moralischen und Unmoralischen gibt. Vielmehr verschwimmen eben diese Grenzen, sodass der Nekromant und Leichengott einen fast vertrauten Charakter bekommt. Denn alles, wonach sich dieser sehnt, ist ein bisschen Frieden und Ruhe zu finden. Dennoch wird er aufgrund seiner unermessenen Kraft zur Gefahr für die einen und zur nützlichen Waffe für die anderen.

Die Zeichnungen von Shinta Fujimoto unterstreichen die Erzählung. Insbesondere die Szenen mit den hinterlassenen Seelen, die an Orten wie Folterkeller ruhelos verweilen, jagen einem den kalten Schauer über den Rücken. Natürlich kommt in den wenigen Erotik-Szenen und gelegentlich den Kampfszenen auch der "Fanservice" nicht zu kurz, doch nimmt dieser meiner Meinung nach nicht Überhand. Wer wie ich eher sensibel auf solche Inszenierungen reagiert, wird mit Situationskomik und einer spannenden Story fürs "Durchhalten" belohnt.

Nicht nur der Nekromant hat ein Interesse daran, in dieser Neuzeit zu verweilen - alle Taten, alle Tode ziehen Konsequenzen nach sich, die niemanden geringeres als die Polizei auf den Bildschirm ruft.

Für Actionfans wie auch Hobbybeschwörer absolut empfehlenswert!

 

Wertung: 5 / 5

 

Leseprobe: online.fliphtml5.com

Shop: www.comic-time.de/dead-mount-death-play-1


Randnotiz:
In Japan gibt es bereits 8 Bände, die Reihe läuft aktuell noch.
In Deutschland sind derzeit 2 Bände erschienen. Band 3 ist für Februar 2022 angekündigt worden.

Freitag, 7. Januar 2022

Kristina liest ... "Madokas Geheimnis"


 

 

Nur Mädchen dürfen Kleider tragen und süß aussehen!

Der 12-jährige Madoka Yamada kennt es nicht anders: Seine große Schwester entwirft eigene Kleider und lässt ihn für sich modeln. Nicht, um ihn abzustrafen oder zu verbiegen, sondern weil sie ihn darin unglaublich süß findet. Und auch Madoka genießt diese Wertschätzung und Anerkennung sehr - auch wenn er nach dem Umzug bemüht ist, diesen Teil seines Lebens an der neuen Schule geheim zu halten. Denn an seiner alten Schule wurde ihm dieses Hobby zum Verhängnis.

 

Zwischen Authentizität und Anpassung

So gern er auch süße Accessoires mag, die andere wohl für "typisch mädchenhaft" halten, will er nun einen Neuanfang und sich als cooler, stilsicherer Typ geben. Dass das nicht unbedingt von heute auf morgen und schon gar nicht so einfach ist, merkt er schnell selbst. Trotz der Unterstützung seiner Schwester kann er sein Hobby nicht vor den Nachbarn geheimhalten - darunter auch Itsuki Tanonaka, sein Schulnachbar! Wird Itsuki das Geheimnis hüten können, obwohl die erste Begegnung der beiden alles andere als freundschaftlich war?

 

Fazit: Süßer Einzelband mit einer wichtigen Botschaft

Der Manga beschäftigt sich mit klassischen, teils sogar sehr veralteten Stereotypen über (binäre) Geschlechterrollen auf sehr leichte und angenehme Weise. Jungs haben so zu sein, Mädchen so - klare Trennung der Eigenschaften und Verhaltensweisen, jegliche Abweichung könnte als "abartig" aufgefasst werden. Das zeigt sich insbesondere in Madokas Gedanken und Ängsten, weswegen er umso verbissener versucht, nicht weiter aufzufallen. Doch sein lebensfroher, freundlicher und liebenswürdiger Charakter zieht seine Klassenkameraden magisch an. Und nicht nur dieser Konflikt wird dargestellt, sondern auch die Gegenseite aus Sicht eines Mädchens wird beleuchtet.

Die Beziehung zu seiner Schwester und seiner Familie im Allgemeinen wirkt gesund, offen und liebevoll. Dort verurteilt ihn niemand dafür, dass er süß aussehen möchte und sich in den selbstgeschneiderten Kleidern seiner großen Schwester wohlfühlt. Deme Kingyobachi erzählt eine wundervolle Geschichte über das Erwachsenwerden, ohne respektlos oder widersprüchlich zu werden. Und sendet dabei eine wichtige Botschaft: Bleib dir selbst treu, solange du dich damit wohlfühlst und niemand dabei zu Schaden kommt.

Für alle, die gerne aus diesen festgefahrenen Klischees ausbrechen möchten und ein bisschen Seelenfrieden für Zwischendurch suchen!

 

Wertung: 5 / 5

 

Shop: www.comic-time.de/madokas-geheimnis


Randnotiz:
Der Manga ist als Einzelband abgeschlossen.

    

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Isabel liest... Magi

Magi - The labyrinth of magic


Aladin macht sich mit seinem Freund Ugo auf die Suche nach einigen Metallgegenständen und trifft dabei auf viele diverse Leute. 

Aladin ist ein kleiner Junge, der nach einer sehr langen Zeit wieder auf die Erde zu den anderen Menschen kommt. Obwohl er selber sehr zierlich aussieht hat er doch starke magische Kräfte und mit seinem Freund Ugo, der die meiste Zeit in seiner Flöte chillt, scheint er (zunächst) unbesiegbar.

Auf dem Weg seiner Reise trifft er auf Alibaba, der von nun an sein Freund sein soll. Er erzählt Aladin von Dungeons in denen es viele wertvolle Schätze und Dschinns gibt! Diese Dungeons erhoben sich vor 14 Jahren an mehreren Orten überall auf der Welt aus dem Boden. Sie beide haben nun dasselbe Ziel! Zwar mit unterschiedlichen Hintergünden, aber wenn man das gleiche Ziel verfolgt, warum sich nicht auch gleich zusammen schließen? Und so machen sie sich gemeinsam auf die Reise Dungeons zu bezwingen :)


Der Manag ist mal ernst, traurig, oder super spannend , kann mal voll happy, beschämend (lol),witzig, aber selten auch etwas langweilig sein

Den Zeichenstil finde ich auch total cool, also
3.8 / 5 ★ 
Minuspunkt, weil der jetzt halt noch nicht so gut war. Aber der 1. Band hat ja jetzt nur die Grundlagen für die darauffolgenden Abenteuer gesetzt. 

Lest rein, wenn ihr ganz bisschen versauten Boobie-Humor (?) habt und vielleicht schon Adventure of Sinbad kennt. Das amcht dann voll Spaß, wenn man beides kennt. Die Anime Serien sollte es übrigens auch auf Netflix geben.

Hier gibt es Magi - The labyrinth of magic in unserem online shop!




Sonntag, 14. November 2021

Kristina liest ... "Hatsu * Haru - Wirbelwind der Gefühle" (Band 1)


 

 

 

 Schlägerbraut trifft auf Frauenmagnet

Kai Ichinose kann es sich erlauben: Als bekannter Playboy der Schule nutzt er jede Gelegenheit, die er bei den Mädels seiner Schule bekommen kann. So wird ihm bei all den verschiedenen Dates, auf die er geht, kein bisschen langweilig. 

Taro, einer seiner besten Freunde, eifert ihm in dieser Einstellung nach. Während es Miki lieber langsamer angehen lässt und die Jungs dazu ermahnt, auf die Gefühle der Mädchen zu achten. Als Kai der falschen Mitschülerin das Herz bricht, mischt sich Riko Takanashi, deren beste Freundin, ein. Kurzum: Es regnet Fäuste nach der Schule!

 

"Rowdy" mit weichem Kern?

Natürlich hält Kai Riko direkt für eine Schlägerbraut, während das Klassenzimmer sie als sanft und freundlich sieht, die sich für ihre Freundin stark macht. Aufgrund seines Status kann Kai auch nicht umhin, sie direkt damit zu konfrontieren, ob sie nicht auf eine abwegige Art in ihn verliebt ist.

Als er die wahre Antwort darauf erfährt, nimmt die Geschichte der beiden Fahrt auf. Kais Versuch, Riko aus dem Weg zu gehen, hilft auch nicht die Tatsache, dass sie ihn spontan zum zweiten Klassensprecher ernennen lässt. Ganz im Sinne des Titels: "Wirbelwind der Gefühle".


Fazit: Witzige Unterhaltung mit männlicher Hauptfigur

Über den klassischen Aufbau eines Shojo-Titels, wie er auch hier wieder zu finden ist, müssen wir uns an dieser Stelle nicht grundlegend unterhalten: buschikoses Mädchen, von (fast) allen geliebter Teenie-Schwarm, alltägliches Schulleben und natürlich auch Romantik - alles enthalten. 

Was diesen Manga gegenüber anderen hervorstechen lässt, ist neben der Wahl eines männlichen Hauptcharakters der Zeichenstil. Die großen Kulleraugen sind natürlich gegeben, insgesamt weichen die Gesichtsmalungen (vielleicht liegt es an den Nasen?) von der Norm ab. Das gibt dem Titel einen hohen Wiedererkennungswert unter den Shojo-Büchern.

Ob die Geschichte einen vom Hocker reißt, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Es bahnt sich, ohne groß zu spoilern, eine Love-Triangle mit wenig Hoffnung an, wie man sie andernorts bereits gesehen hat. Süß und irrsinnig witzig sind aber die Chibi-Zeichnungen, die die Leserschaft in die Vergangenheit von Riko und Kai entführen und damit etwas mehr Würze in diese doch etwas standardisierte Geschichte bringen.

Empfehlenswert für alle, die nach einer leichten Romance-Unterhaltung suchen und sich mehr männliche Protagonisten wünschen!

 

Wertung: 4 / 5

Punktabzug gibt es an dieser Stelle für die Berechenbarkeit der Geschichte.

 

Leseprobe: https://online.fliphtml5.com/

Shop: https://www.comic-time.de//hatsu-haru-wirbelwind-der-gefuehle-1


Randnotiz:
In Japan sind bereits alle 13 Bänden erschienen. Damit ist die Reihe abgeschlossen.
In Deutschland sind Bände 1 und 2 erhätlich, Band 3 ist für Januar 2022 ankündigt.

Samstag, 25. September 2021

Kristina liest ... "My Roommate is a Cat" (Band 1)

 

 

 

 

 

"Diese Welt ist sowas von lästig"

Das sind die Gedanken von Subaru Mikazuki, einem 23-jährigen Mystery-Autor, der am liebsten daheim bleibt und sich in seine Fantasiewelten zurückzieht. Auch seine Lektoren haben es schwer mit ihm und er gilt als schwierig und exzentrisch. Dass in Wahrheit mehr hinter seinem Verhalten steckt und dieses nicht von ungefähr kommt, das ahnen sie alle (noch) nicht.

Eines Tages läuft ihm eine kleine, aber mürrisch blickende Katze zu, die seine inneren Mauern nach und nach einzureißen scheint.


"Du gefällst mir! Du nervst nicht so wie die Menschen"

Nachdem er ihr ein wenig Futter gibt, scheint sie sich wohlzufühlen und bleibt fürs Erste bei ihm. Schnell wird er durch ihr Verhalten zu einem neuen Roman inspiriert - sogar mit ihr in der Hauptrolle!

Das gefällt natürlich auch dem aktuellen Lektor, Atsushi, der nach einem Besuch gar nicht mehr gehen will. Und so bauen sich neue Freundschaften, aber auch Spannungen und Rätsel auf. Im Mittelpunkt aber steht dabei stets die Beziehung zwischen Subaru und seiner neuen Mitbewohnerin.

 

Fazit: Gelungene Unterhaltung mit viel Witz und Herz

Minatsukis Geschichte wird dabei in zwei Sichtweisen, die sich je Kapitel abwechseln, erzählt. Erst erzählt Subaru, danach erfahren wir Schlüsselmomente aus der Sicht der kleinen Katze (Name wird hier nicht gespoilert). Durch diesen Wechsel wirkt es keinesfalls langweilig oder ausbremsend. Die klare, einfache Sichtweise der neuen Mitbewohnerin steht im spannenden Kontrast zu Subarus Komplexität und seinen (teils negativen) Erfahrungen im Leben.

Besonders amüsant ist dabei, wie As Futatsuya die (mürrisch aussehende) Katze in Szene setzt. Jede Emotion wird dabei so gut wiedergegeben, dass sie auch ohne viel Text funktioniert und wirkt. Auch der Spaß kommt dabei nicht zu kurz, wird er scheinbar mühelos bereits durch die gelungenen Zeichnungen erzeugt.

Wer nach einem Manga sucht, der sich ausnahmsweise auf die Freundschaft zwischen Mensch und Tier bezieht, wird hier sicherlich viel Freude finden!

 

Wertung: 5 / 5

Shop: https://www.comic-time.de//my-roommate-is-a-cat-1


Randnotiz:
In Japan sind bisher 7 Bände erschienen. Aktuell läuft die Reihe noch.
In Deutschland ist Band 7 bereits für Januar 2022 ankündigt.

 


Freitag, 30. Juli 2021

Kristina liest ... "Saat der Angst" (Luxury Edition)

 

"Manchmal ist es besser, so zu tun, als hätte man die Bewegung im Augenwinkel nicht gesehen."

Wer kennt sie nicht, die Geschichten, die man am Lagerfeuer zum Gruseln erzählt, die Vorstadt-Legenden, die einem einen Schauer über den Rücken jagen oder auch die Eltern, die bereits ihren Kindern Gruseliges erzählen, damit diese artig sind. Auch in Japan sind solche Erzählungen keine Ausnahme und finden sich in "Saat der Angst" als unterhaltsame wie spannende Kurzgeschichtensammlung wieder.

Dabei fasst das Buch den Inhalt in 3 Teile und diese wiederum in Unterkategorien zusammen. So sind Überschriften zu finden wie "Es verfolgt mich ..." oder "Grotesk" und tragen sprachlich zum Gruseln bei. Unterstrichen wird das ganze mit eindrucksvollen Zeichnungen, die die eigene Fantasie anregen - auch wenn das Buch zur Seite gelegt wird ("Saat", ihr versteht). Jedes Umblättern wird damit zur Mutprobe, zur Frage, ob man bereit ist für das, was einen auf der anderen Seite erwartet.

  

Fazit: Atmosphärische Sammlung an spannenden Horrorgeschichten

Masaaki Nakayama gelingt es, durch die Zeichnungen ein Gefühl des Beobachtetwerdens zu vermitteln, das die Sehnsucht nach einer Lichtquelle deutlich erhöht. Beim Lesen ist man dem Zufall ausgeliefert, kann sich nicht vorbereiten auf das, was einen an Bildern erwartet und genießt - Horrorfan vorausgesetzt - jeden Zentimeter Gänsehaut.

Dabei sind die Geschichten stellenweise nicht länger als 3 Seiten, hinterlassen ein unangenehmes Schaudern und machen trotzdem Lust auf mehr. Dennoch ist es aufgrund der Länge auch gleichzeitig geeignet für Zwischendurch. Die einzelnen Erzählungen sind weitestgehend voneinenader unabhängig und erklären nur selten, wieso es zu diesen Erscheinungen kommt. Die Interpretation ist der Leserschaft vorbehalten.

  
Wer den Anime "Theatre of Darkness (Yamishibai)" kennt und mag, wird hier definitiv zuschlagen müssen.

Aber auch für andere Horrorfans und Aberglaube-Freunden, die sich nach kurzen, abwechslungsreichen Horrorgeschichten sehnen, ist es durchaus empfehlenswert!

 

Wertung: 5 / 5

Auch wenn ich mir für manche Phänomene eine kurze Erklärung gewünscht hätte (oder den Ursprung dazu, wie bei Yurei, Oni bzw. Yokai meist bekannt), kann und möchte ich deswegen keinen Punkt abziehen, da es das Schaudern eher verstärkt anstatt mindert.


Shop: https://www.comic-time.de/saat-der-angst.html

Montag, 26. Juli 2021

Kristina liest ... "Moving Forward" (Band 1)

 

 

 

 

 

 

 

Stark, mutig, fröhlich?

Kuko ist eine aufgeweckte und fröhliche 15-Jährige, die zusammen mit ihrem Vater im malerischen Kitano-Virtel von Kobe lebt. Sie hat das Glück, dass ihr Kindheitsfreund Kiyomori, kurz Kiyo, direkt gegenüber wohnt und sie sich über ihre Zimmerfenster problemlos verständigen können. Neben Kiyo stehen ihr auch ihre beste Freundin und Shojo-Profi aus Leidenschaft Ibu sowie ihr heimlicher Schwarm und Kunststudent Ota zur Seite und verschönern ihren Alltag. Und sollte doch einmal Langeweile aufkommen, fröhnt sie ihrem Hobby: dem Fotografieren der Umgebung. Klingt doch nach einem unbeschwertem Leben, oder?

 

"Hör auf zu lachen"

Kuko hat sich zum Ziel gemacht, stets ihre beste Seite zu zeigen, gut gelaunt durch das Leben zu spazieren und stark zu sein. Und genau dafür lieben sie ihre Freunde und Bekannten. Doch wie sieht es in ihr drin aus? Ist sie ehrlich zu sich und den Menschen um sie herum? Ota scheint ein Händchen dafür zu haben, ihre stabile Fassade nach und nach zum Bröckeln zu bringen. Und auch der neu hinzugezogene Fremde scheint ihre Art zu durchschauen und stößt sie immer wieder mit seinem ruppigen Auftreten vor den Kopf.

 

Nicht nur Kuko hat etwas zu verbergen, auch Kiyo scheint noch nicht ganz im Reinen mit sich zu sein - genauso wenig wie Ota. Was sind das für Päckchen, die anscheinend jeder mit sich herumträgt und für sich behält?

 

Fazit: Ein Blick ins Innere lohnt sich

Nagamu Nanaji hatte mit diesem Werk die Absicht, an die Erdbeben-Katastrophe in Kobe zu erinnern. An einigen Stellen im Manga wird dieses Thema auch aufgegriffen, so zum Beispiel war der Tod von Kukos Mutter eine Folge davon. Es werden viele wunderschöne Orte gezeigt, die ebenfalls zu der Anfangsintention passen - ergänzt durch Stadtpläne und Markierungen, sowie - in Schwarzweiß - auch Fotos der Originalschauplätze. Dadurch fühlt sich der Manga neben der klassischen Shojo-Geschichte über eine starke und eigenwillige Heldin ein bisschen auch wie ein Reiseführer an.

Die Charaktere sind überschaubar und gut gewählt, auch wenn die Jungs sich äußerlich etwas ähneln. Kukos beste Freundin bricht dank ihrer "Ibulyse" (Wortspielung aus ihrem Namen und Analyse) die vierte Wand und benennt ein paar Klischees aus dem Shojo-Genre, das die Geschichte zusätzlich auflockert.

Insgesamt wird eine durchwachsene, aber nicht minderspannende Geschichte über das Leben, seinen Sinn und Freundschaft sowie Liebe erzählt. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz, sodass hier der Wechsel zwischen Ernsthaftigkeit und Witz angemessen und authentisch ist.

Empfehlenswert für Freunde der Slice-of-Life-Kategorie sowie Shojo-Fans, die sich nach zarten Gefühlen und etwas mehr Tiefgang sehnen!

 

Wertung: 4 / 5

Einen Punkt Abzug gibt es, da sich die Geschichte im ersten Band noch etwas zäh liest. Das wird aber in den Folgebänden um einiges besser.


Leseprobe: https://www.bic-media.com/

Shop: https://www.comic-time.de/moving-forward-1.html

 

Randnotiz:
Abgeschlossen ist die Reihe mit 11 Bänden in Japan.
In Deutschland sind die Bände 1 bis 7 bereits erschienen, Band 8 bis 10 sind angekündigt.
Den 1. Band gibt es übrigens bereits für 5 Euro.

    

Donnerstag, 1. Juli 2021

Kristina liest ... "Promise Cinderella" (Band 1)

 

 

 

 

 

 

"Und dann wird man plötzlich hintergangen"

Hayame Imai ist 27 Jahre, frisch verheiratet und hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Als sie auf der Heimfahrt eines Tages in der Bahn Zeugin eines Schüler-Mobbings wird, kann sie auch dieses Mal nicht einfach wegsehen und mischt sich ein. Standhaft lässt sie sich auf die Provokation der Teenager ein und gewinnt in einem kleinen Spiel gegen den jungen Issei. Dieser muss dank seiner großen Klappe nun seine Wettschulden unter dem Gelächter seiner Freunde begleichen.

Zu Hause angekommen, erzählt Hayame ihrem Mann Masahiro von dem Vorfall. Er vermutet direkt, dass sie dem gehänselten Schüler geholfen haben muss und beide erinnern sich an ihr Kennenlernen, das ähnlich ablief.

 

Das echte Spiel des Lebens

Und dann kippt plötzlich der Ton: Hayame hat herausgefunden, dass Masahiro sie betrügt und stellt ihn zur Rede. Doch anstatt ihres geplanten Versöhnens und "Schwamm drüber"-Plans, denkt er gar nicht daran, weiter zusammenzubleiben.
 

 Ein paar unglückliche Zufälle später landet sie auf der Straße und weiß weder ein, noch aus. In einem Park sucht sie Unterschlupf und trifft wenige Tage später natürlich auf genau ihn: Issei. Der mehr als nur Vergnügen daran findet, sie in ihrer Situation herabzuwürdigen und zu provozieren. Doch er bietet ihr den einzigen (schnellen?) Ausweg aus ihrer misslichen Lage - mit einem Haken: Sie muss sich auf sein "Spiel" einlassen.

 

Fazit: Authentische Charaktere mit Tiefgang und Grips

Was zunächst als ausgewaschene und toxische Macho-Geschichte vermuten lässt, ist alles andere als eindimensional und langweilig. Hayame wird als starke, aber auch mitfühlende Frau dargestellt, die bis zum Schluss des ersten Bandes ihrem Charakter treu bleibt und sich aufgrund ihres Stollzes nur ungern unterbuttern lässt.

Issei dagegen ist eine wahre Nervensäge, die nur so vor Alpha-Getue strotzt. Dem aber auch klar ist, dass er wohl ohne das Vermögen seiner Eltern nicht viel wäre. Weitere Charaktere kommen im Verlauf der Geschichte ebenfalls hinzu und machen sie spannend.

Die Story wird nachvollziehbar und intelligent erzählt, die Zeichnungen sind einfühlsam und atmosphärisch. Das Lachen kommt ebenfalls nicht zu kurz, im Gegenteil, dadurch, dass Hayame ihrer Linie treu bleibt, entstehen wirklich skurrile, aber witzige Momente.

Wer also Lust auf erwachsene(re) Geschichten hat, die mit einem Haken ;) daherkommen, sollte hier definitiv zugreifen! 



Wertung: 5 / 5


Leseprobe: https://online.fliphtml5.com/

Shop: https://www.comic-time.de/promise-cinderella-1.html

 

Randnotiz:
Bisher sind in Japan 12 Bände erschienen, die Reihe läuft noch.
Band 2 ist aktuell für September angekündigt.

Montag, 21. Juni 2021

Kristina liest ... "Highschool Heldin" (Band 1)

Neue Schule, neues Glück?!

Also Shuko Kodakamine in der dritten Klasse die Möglichkeit bekam, einem neuen Hobby nachzugehen, war ihre Freude kaum zu bremsen. Geige? Klavier? Oder vielleicht doch Ballett? Doch es kam anders: Statt ihrer eigenen Vorlieben wurde Kampfsport ausgewählt. Ausgerechnet Kampfsport! 

Dennoch übte sie fleißig und kann sich nun, an der neuen Highschool kaum vor Klub-Angeboten retten. Doch eigentlich wünscht sie sich nur eines: einen normalen Highschool-Alltag als ganz gewöhnliches Mädchen, in dem sie auch einfach mal nicht stark sein muss.


"Ich möchte, dass du mich beschützt!"

Als Shuko ganz in Gedanken versunken den Schulflur entlangläuft, stößt sie fast mit dem gutaussehenden, aber fliehenden Masaki Serizawa aus der Parallelklasse zusammen. Sie kann ihm auf eindrucksvolle Weise - Masaki würde sagen, wie ein Ninja! - ausweichen und hinterlässt bei ihm einen bleibenden Eindruck.

Schon bald stellt sich heraus, dass er aufgrund eines Missverständnisses Schläge kassieren soll, aber davon verständlicher weise nicht allzu begeistert ist. Da ergibt sich die Gelegenheit: Er bittet Shuko, sein Bodyguard zu sein und verspricht ihr im Gegenzug, sie zum "Mädchen Nummer eins" zu machen. Einzige Bedingung: Sie müssen ein Paar werden!


Fazit: Süße Shojo-Geschichte mit hübschen Zeichnungen

Man nehme ein schüchternes, aber starkes Mädchen, füge einen etwas tollpatschigen, aber liebenswürdigen Jungen hinzu, lässt beide aufeinander treffen und beobachtet, wie die Gefühle wachsen - das klassische, aber stets funktionierende Shojo-Rezept. Dabei darf eine Prise schön gezeichneter Figuren nicht fehlen!

Besonders amüsant sind dabei jene Szenen, in denen sich die beiden näher kommen könnten, wenn da nicht Shukos einzigartige Reflexe wären, die den (armen) Masaki in hohem Bogen zu Boden fliegen lassen. Zwar wirkt der Manga am Anfang sehr klischeehaft und oberflächlich, räumt damit aber auf, indem er im Lauf der Geschichte näher auf die inneren Gefühle und Hintergründe der beiden eingeht. 

Einziges Manko ist für mich, dass im ersten Band relativ wenige Nebencharaktere vorkommen und die, die es tun, recht monoton wirken. Aber das kann sich in den Folgebänden ja durchaus ändern.

Der Manga richtet sich besonders an die jüngere Leserschaft, ist aber auch für ältere Personen definitiv ein süßer Zeitvertreib!

 

Wertung: 4 / 5

Einen Punkt Abzug gibt es, da im ersten Band nur sehr wenige Nebencharaktere vorkommen, sodass die beiden sehr einsam wirken, wenn sie nicht einander hätten.


Shop: https://www.comic-time.de/highschool-heldin-1.html


Randnotiz:
Abgeschlossen ist die Reihe voraussichtlich mit 4 Bänden in Japan.
Die Bände 2 (erscheint im Juli), 3 (September) und 4 (Oktober) sind bereits angekündigt.

Dienstag, 15. Juni 2021

Kristina liest ... "Noah of the Blood Sea" (Band 1)

 

 


Willkommen auf dem Luxusliner Bical Carata!

Eine Kreuzfahrt für lau, um dem Alltag zu enkommen - wer würde da nicht gerne sofort an Bord gehen. Das dachte wohl auch Akaris Vater, als er das Angebot annahm. Gemeinsam mit ihm und ihrem kleinen Bruder Yuzuru erkundet Akari das Schiff, nichts ahnend, was dieses unter Deck an Geheimnissen noch bereit hält.

Als der kleine Yuzuru dann kurzzeitig verschwindet, lernt Akari vor ihrer Suche Kakeru kennen, der ebenfalls mit seinen Freunden dem Festland zur Erholung entkommen möchte. Kakeru, der nichts anbrennen lässt, flirtet kurz mit Akari, bevor er sich zum Essen verabschiedet. Auf der Suche nach Yuzuru kommen Akari und ihr Vater in den VIP-Bereich - doch etwas ist hier merkwürdig. Leider werden sie vom Personal bei ihrer Suche gestört und verlassen mit einem mulmigen Gefühl schnellstmöglich den Bereich.

 

Kreuzfahrt ins Ungewisse 

Auf dem Rückweg treffen sie eine Gruppe Frauen und siehe da: Yuzuru ist ebenfalls dabei! Doch das soll nicht das letzte Mal sein, dass er verschwindet. Schon bald wird sowohl Akari, ihrer Familie als auch Kakeru und seinen Freund klar, dass hier etwas gewaltig nicht stimmt. 

Die Abendprogramme sind verpflichtend, auch wenn das Essen vorzüglich schmeckt. Doch am nächsten Abend scheint es, als wären die ehemaligen Tischnachbarn plötzlich verschwunden. Und Akari befindet sich plötzlich für ein Zauberstück auf der Bühne! Kakeru will gerade nach ihr rufen, bemerkt jedoch schnell, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Wurde sie betäubt? Und wie echt ist der Zaubertrick? Denn das Mädchen, dass dann auf der Bühne an eben jener Stelle steht, ist nicht Akari ...

 


Fazit: Blutrünstiger Horror, der einige Fragen offen lässt

Es beginnt mit einer grotesken Essensszene und schafft eine spannende Einleitung in die Thematik. Touristen auf einem Kreuzfahrtschiff, das in absehbarer Zeit kein Festland mehr ansteuert. Was nach einer Kaffeefahrt klingt, wird schon bald für einige unter ihnen ein tödliches Ende bedeuten. Außerdem fehlt die klassische Erzählweise: Sollte anfangs noch Akari die Protagonistin sein, wechselt der Fokus im Verlauf der Geschichte. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt verwirrend, sondern steuert dem Gesamtbild bei. Was geht hier wirklich vor sich?

Auch die gezeichneten Gesichtsausdrücke lassen mitfühlen, manche scheinbar arglosen Szenen werden ungemütlich, sobald ein Blick hinter die Kulissen geworfen wird. Alles zusammen unterstreicht das Gefühl beim Lesen, beobachtet zu werden, ja sogar angestarrt. Und dennoch wird bis zuletzt nicht ausgesprochen, welche Kreaturen hier auflauern.

Klare Empfehlung für alle Horrorfans, die auch von blutigen wie brutalen Szenen nicht abgeschreckt sind!


Wertung: 4 / 5

Einen Punkt Abzug gibt es, da die Geschichte an manchen Stellen zu berechenbar ist.


Shop: https://www.comic-time.de/noah-of-the-blood-sea-1.html


Randnotiz:
Abgeschlossen ist die Reihe mit 5 Bänden in Japan.
Die Bände 2 (erscheint im September), 3 (Dezember) und 4 (März '22) sind bereits angekündigt.

Montag, 24. Mai 2021

Kristina liest ... "Perfect World" (Band 1)

"Könntest Du Dich in jemanden verlieben, der eine Behinderung hat?"

Mit diesen provokanten Worten startet die Geschichte der 26-jährigen Tsugumi Kawana, die bei einem Geschäftsessen unter anderem auf Itsuki Ayukawa trifft. Er war zu Schulzeiten ihre erste große Liebe. Schon damals träumte er davon, Architekt zu werden, was allen Anschein nach auch geklappt hat. Tsugumi dagegen wollte Illustratorin werden, musste diesen Traum aber aufgeben und arbeitet nun als Innenarchitektin.

Als Itsuki kurz aufstehen will, überrascht sie der Anblick: Er braucht einen Rollstuhl, da er aufgrund eines Unfalls in seiner Studienzeit nicht mehr laufen kann. Die Kollegschaft wusste davon, doch Tsugumi, die ihn lange nicht mehr gesehen hatte und immer noch ein wenig Herzklopfen empfindet, muss die Situation erst noch für sich verdauen. Was ist in all der Zeit passiert, als jeder den eigenen Weg ging?

 

 

Schmerzhafte Erfahrungen und eine ungewisse Zukunft

Aufgrund ihrer Arbeit haben die beiden wieder regelmäßig miteinander zu tun, sodass Tsugumi immer mehr von der Komplexität des Lebens mit Behinderung erfährt. Anfangs noch davon überzeugt, Itsuki respektive einen Menschen mit Behinderung nicht lieben zu können, entwickelt sie doch wachsende Gefühle für ihn, die nicht selten von erdrückender Hilflosigkeit umgeben werden. Als er plötzlich wegen eines Druckgeschwürs ins Krankenhaus muss, gibt es anscheinend nichts, was sie tun oder sagen könnte, um ihn zu trösten. 

Kann sie einer solchen Beziehung überhaupt je gerecht werden? Und was denkt Itsuki darüber, wo er sich doch gar nicht verlieben will?



Fazit:  Rundum gelungene Liebes- und Lebensgeschichte

Dass ein Manga sich jenseits der Klischeeschnulzigkeit (zumeist Schule, Herzklopfmomente und durch zu viele Missverständnisse erzeugtes, fast schon künstliches Drama) bewegt und ernsthafte, realistische Themen aufgreift, kommt sehr selten vor. "Perfect World" bricht mit dieser klassischen Shojo-Inszenierung und beschäftigt sich mit einem unausgesprochenen Tabuthema: Leben mit Behinderung.

Rie Aruga zeichnet eine mehrschichtige, komplexe, aber einfühlsame und respektvolle Geschichte, wie sie authentischer nicht sein könnte: Von Bewegungsproblematik über Stuhlgang bis hin zu Geschwüren werden die einzelnen Aspekte offen angesprochen und thematisiert. Dadurch, dass die Hauptfiguren mit Bauprojekten ihr Geld verdienen, wird auch barrierefreies Bauen und Wohnen in den Mittelpunkt gerückt. Gelegentlich werden auch scherzhafte Momente eingefädelt, um die Situation aufzulockern.

Natürlich kommen auch Gefühle nicht zu kurz: Tsugumis Kämpfen mit sich selbst ist glaubwürdig und stets mit überzeugenden Argumenten belegt. Kann sie Itsuki gerecht werden, sich um ihn kümmern? Oder benötigt er jemand stärkeren, aufopferungsvolleren als Tsugumi an seiner Seite? Was halten die Eltern und Angehörigen von so einer Beziehung?

Klare Empfehlung für alle, die auf der Suche nach realitätsnaher Romantik sind und dabei nicht scheuen, ihre vermeintliche Komfortzone zu verlassen.

 

Wertung: 5 / 5

 

Leseprobe: egmont-manga.de/leseprobe

Shop: https://www.comic-time.de/perfect-world-1.html


Randnotiz:
Bisher sind 11 Bände in Deutschland erschienen.

Abgeschlossen ist die Reihe mit 12 Bänden in Japan.
Band 12 ist für November 2021 angekündigt.

Sonntag, 23. Mai 2021

Kristina liest ... "30 - Ein Traum von Liebe" (Band 1)

 

 

 

 

 

 

"Mit 30 hat man sein Leben im Griff"

Shino Moriyama ist mit ihren 30 Jahren nicht nur erfolgreich im Beruf, sondern auch in einem heiratsfähigen Alter - so zumindest die Meinung ihres Umfelds. Da sie ihr Leben gerne geordnet sieht, entspricht das auch in großen Teilen ihrer eigenen Auffassung. Es muss demnächst ein Mann zum Heiraten her, es gilt, an die Zukunft zu denken. So der Plan. Bis sie eines Tages nach Feierabend der junge Mayuki anspricht und sie bittet, seine Freundin zu werden.

Der "Haken": Er ist fast zehn Jahre jünger - damit alles andere als geeignetes Heiratsmaterial in Shinos Augen. Doch seine Hartnäckigkeit soll sich auszahlen. Shino stimmt dieser "Affäre" zu, solange sie noch keinen passenden Heiratskandidaten gefunden hat. Leidenschaftliche Momente bahnen sich für die beiden an, aber auch Herausforderungen, die nicht selten dem Alters- bzw. Reifeunterschied geschuldet sind.

 

"Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen."
- John Lennon

 

In der Arbeit läuft alles nach Plan, das Leben der Kollegen und Kolleginnen scheint ebenfalls geordnet, doch bei Shino entwickelt sich nach und nach ein immer größeres Gefühlschaos. Schnell sieht sie sich mit ihren eigenen Wünschen und Zielen konfrontiert, insbesondere der Frage: Was will sie wirklich vom Leben? Und welche Rolle soll dabei Mayuki spielen?

 

Fazit: Angenehme Unterhaltung für Zwischendurch

Die Idee einer älteren Frau, die eigentlich bereits Heirats- und Kinderpläne hat, und eines 21-Jährigen, der noch einiges an Lebenserfahrung sammeln muss, erschien mir im ersten Moment als spannender Aufhänger. Nicht wegen des krassen Altersunterschieds, sondern viel mehr wegen der komplett verschiedenen Reifegrade. Die biologische Uhr tickt. Und was werden Familie, Freunde und Bekannte zu dieser Beziehung sagen, sollte Shino weiterhin an Mayuki festhalten wollen?

Dem Manga gelingt es, die altersabhängigen Unterschiede aufzuzeigen, wirkt aber an manchen Stellen zu oberflächlich und linear. Während Mayuki versucht, alles richtig zu machen und das, was ihm an Reife fehlt, mit Einfühlungsvermögen und Kommunikation zu kompensieren, wirkt Shino an manchen Stellen zu versteift auf ihre Pläne und verliert den Blick für das Wesentliche. Das alles führt dazu, dass Mayuki reifer, verständnisvoller wirkt und entscheidend ist für Shinos Charakterentwicklung. Allerdings scheint er darüber hinaus keine anderen Charakterzüge zu haben, außer, dass er sein Leben ihr und ihren Zielen widmen will.

Empfehlenswert für alle Romantiker:innen, die sich ebenfalls fragen, welchen Hürden sich eine Beziehung mit fast 10 Jahre Altersunterschied stellen muss.



Wertung: 3 / 5

Abzüge gibt es aufgrund der Charaktermonotonie, insbesondere bei Mayuki, und der Berechenbarkeit der Geschichte.

 

Leseprobe: altraverse.de/leseprobe

Shop: https://www.comic-time.de/30-ein-traum-von-liebe-1.html


Randnotiz:
Bisher sind 6 Bände in Deutschland erschienen, wobei der 6. Band mit der Nummer "5.5" betitelt wird.
Die Reihe läuft aktuell noch.

Sonntag, 9. Mai 2021

Kristina liest ... "The Promised Neverland" (Band 1)

Wohlbehütetes Leben im kleinen Waisenhaus

Emma ist mit ihren 10 Jahren und ihrer fröhlichen Art das Energiebündel des Grace Field House, einem kleinen Waisenhaus, das an einen Wald grenzt. Und auch wenn die anderen Kinder nicht ihre Geschwister sind, so haben sie sich über die Jahre hinweg gut angefreundet. Besonders Norman und Ray gehören zu ihren engsten Freunden, die mit ihr und den anderen Kinder vor allem Verstecken und Fangen spielen. Erstaunlich ist auch ihre geistige Leistungsfähigkeit, denn die Drei schaffen immer wieder bei den täglichen Tests, die zum Alltag gehören, die volle Punktzahl. Freunde, gute Testergebnisse, eine warmherzige Ersatzmutter, von allen "Mama" genannt, und leckeres Essen - was wünscht man sich mehr?

 

Nichts ist, wie es scheint

Als  die kleine Conny, mit ihren 12 Jahren, eine Pflegefamilie findet und sich verabschieden muss, vergisst sie ihr geliebtes Plüschtier. Pflichtbewusst und gutherzig wie Emma ist, beschließt sie, sich trotz der nächtlichen Ausgangssperre rauszuschleichen, um Little Bernie seiner Besitzerin zu bringen. Norman begleitet sie dabei zum Tor, nichtsahnend, dass das, was sie dort erwartet anders ist als sie vermuten.

Denn: Eine Pflegefamilie gibt es nicht. Conny ist tot. Und das Grace Field House ist alles andere als ein liebevolles Waisenhaus für elternlose Kinder.


Fazit: Mitreißende Geschichte und eindrucksvolle Bilder

Der Wechsel zwischen Unbekümmertheit und unmittelbarer Bedrohung gelingt in diesem spannenden Werk scheinbar mühelos. Alles, was Emma und ihre Freunde meinten, zu wissen, entpuppt sich nach Connys Tod als vermeintliche Lüge. Und Mama wird von geliebter und respektierter Ersatzmutter zu einer gefürchteten Gegnerin, die nichts von den Plänen der Kinder erfahren darf.

Die Geschwindigkeit, in der nach und nach der vermeintliche Kontrollverlust aus der Perspektive von Emma erzählt wird, ist nicht zu schnell und nicht zu langsam. Die Ideen, die die Kinder entwickeln, um auszubrechen, sind realistisch und auch die Sorgen, wie zum Beispiel, dass nicht alle Kinder sofort gerettet werden können, sind nachvollziehbar. Beim Lesen kommen immer wieder neue Fragen auf - was ist außerhalb der Mauern, die das Areal umschließen? Welches Jahr schreiben wir? Wo sind die anderen Menschen?

Freunde von Dystopien werden an dieser Manga-Reihe definitiv Gefallen finden - vorausgesetzt, der Gedanke an übernatürliche Gegner schreckt sie nicht ab!


Wertung: 5 / 5

 

Leseprobe: https://www.bic-media.com/carlsen/teaser

Shop: https://www.comic-time.de/the-promised-neverland-1.html


Randnotiz:
Bisher sind 17 Bände in Deutschland erschienen.

Abgeschlossen ist die Reihe mit 20 Bänden in Japan.

Kristina liest ... "Orange" (Band 1)

Briefe aus der Zukunft

Was würdest Du tun, wenn Dein 10 Jahre älteres Ich einen Brief schreibt und Dir genau in Einzelheiten schildern kann, was als Nächstes passieren wird? Würdest Du versuchen, dieses Wissen anzuwenden, um Dein Schicksal zum Besseren zu formen oder würdest Du Dich damit abfinden, auch wenn das große Reue nach sich zieht?

Genau darüber muss sich die junge, schüchterne 16-jährige Naho aus der 11. Klasse Gedanken machen. Wer hat ihr diesen Brief geschrieben? Woher weiß die Person, dass sie ausgerechnet heute das erste Mal in ihrem Leben verschlafen hat, wenn sie es noch gar niemandem erzählen konnte? Und wieso kann der Brief vorhersagen, dass der Junge, der heute neu in die Klasse kommt, mit vollem Namen Kakeru Naruse heißt? Die Handschrift sieht aus wie ihre eigene. Aber so ein Brief aus der Zukunft - kann das wirklich sein?

 

"Ich habe bereut, diese Aufforderung abgelehnt zu haben."

Anfangs sehr skeptisch, lässt sich Naho nicht weiter von diesem seltsamen Brief verwirren. Doch dann merkt sie, dass die Vorhersagen eine nach der anderen eintreffen - genau so, wie sie beschrieben wurden. Schüchtern wie sie ist, versucht sie den Bitten ihres Zukunfts-Ich nachzukommen, doch das kostet sie sehr viel Überwindung und nicht immer kann es ihr gelingen. 

Und selbst wenn sie es schafft, den Aufforderungen aus dem Brief gerecht zu werden, bleibt die Angst, dass sie nicht weiß, was als nächstes passieren wird. Werden sich die Briefe verändern? Oder wird sie dadurch nur noch mehr Reue provozieren? Und welche Auswirkungen hat das alles auf ihre Freunde und Kakeru? Denn: "In 10 Jahren ist Kakeru nicht mehr bei uns."


Fazit: Fesselnde Story, die unter anderem zum Nachdenken anregt

Als ich den Anime das erste Mal sah, hat mich die Geschichte so tief getroffen, dass ich unbedingt mehr wissen wollte. Die Manga-Bücher mussten her, die zum Glück mit 6 Bänden überschaubar blieben, wobei Band 6 eine Art Bonusgeschichte ist, aus Kakerus Sicht erzählt. Der Zeichenstil hat mir sofort zugesagt, auch wenn hauptsächlich die Charaktere und weniger der Hintergrund im Fokus liegen. Auch die Freundschaft der Klassenkameraden wurde in der Mangareihe stärker ausgebaut.

Ich habe mit Naho mitgefühlt, wie sie sich schwertat, den Bitten nachzukommen. Denn man ändert sich nicht von heute auf morgen einfach so und schon gar nicht aufgrund dubioser Briefe. Es gab Stellen, die mich so zu Tränen gerührt haben, dass ich das Buch (sowie die Folgebände) zur Seite legen musste, da ich vor lauter Weinen die Buchstaben nicht mehr richtig lesen konnte. Und natürlich gab es sehr viele schöne Momente unter den Freunden, die durch all die anderen Momente umso glücklicher wirkten.


Eine klare Empfehlung für alle, die etwas fürs Herz suchen und gerne über das "einfache" Leben grübeln.



Wertung: 5 / 5

 

Leseprobe: https://www.bic-media.com/carlsen/teaser

Shop: https://www.comic-time.de/orange-1.html

 

 

 

 

 

Dienstag, 13. April 2021

Kristina liest ... "Gyo" (Deluxe Edition)

Harmloser Ausflug ans Meer?

Es hätte so schön sein können: Sonnenbaden mit der Liebsten, Schnorcheln im Meer, vielleicht noch Muscheln sammeln? Stattdessen endet Tadashis Erkundungstour abrupt mit der Begegnung eines angriffslustigen Haies. Gerade so kann ihm Kaori zu Hilfe eilen und ihn herausziehen. Und das sollte nicht das Ende gefährlicher Begegnungen sein: Als die beiden zurück in die Ferienwohnung in Okinawa gehen, macht sich ein widerlicher Gestank breit. Für Kaoris empfindliche Nase ist das alles andere als annehmbar und auch das Abduschen mag keine Abhilfe leisten.
 
Dem stechenden Geruch folgt eine unangenehme Aura - wer oder was schleicht durch die Räume? Welches Tier verursacht diese klackernden Geräusche? Als Tadashi auf die Suche danach geht, traut er seinen Augen nicht: ein Fisch mit Metallbeinen?! Nachdem er das "Tier" getötet und in einem Müllbeutel nach draußen gebracht hat, kehrt er zu Kaori zurück, um sie zu beruhigen. Mittlerweile fiebrig und stark mitgenommen, denkt diese gar nicht erst an Ruhe - der Gestank plagt sie weiterhin. Die Ursache muss also noch da sein und Tadashi soll sich erneut vergewissern, dass der Übeltäter auch tatsächlich unschädlich gemacht wurde.



In der Luft, in der Nase, überall

Draußen angekommen, ist der Müllsack weg. Und ein Schrei erfüllt die Nacht. Tadashi rennt zurück ins Haus und muss schockiert feststellen, dass der Killerfisch schwebend zurückgekehrt ist und Kaori angreift. Die absurde Situation eskaliert so stark, dass Kaori aus dem Zimmer nach draußen flieht, gefolgt von dem fliegenden Müllsack und Tadashi, der Mühe hat, dem Ganzen Herr zu werden.
 
Am Meer angekommen, schwebt der Gegner in die nächtliche Dunkelheit und ist weg. Kaori, völlig am Ende ihrer Kräfte, bricht zusammen, während Tadashi dem Müllsack noch bis zum Strand folgt - wo er erst einen Eindruck über das Ausmaß der Gefahr erhält: Tausende Fische, alle mit Metallbeinen, rennen aus dem Meer ans Land. Das war erst der Anfang.




Fazit: Schleichend, stetig, surreal

"Der weiße Hai" hat Junji Ito zu diesem Werk inspiriert. Als Meister surrealistischen Horrors versteht er es gut, alltägliche Situationen langsam, aber stetig in eine zunehmend bedrohliche, verzerrte Gegenwart zu verwandeln. Was hier als ekelhafter, aber harmloser Gestank beginnt, endet in einem absurden Albtraum vom Untergang der uns bekannten Welt.

Auch zeichnerisch baut er die Elemente mit einer Steigung auf. Anfangs zieren noch wenige Striche, die symbolisch für den Gestank stehen, die Luft - später wird es mühsam, fast schon bedrückend, die einzelnen Bilder zu betrachten. Der Gestank, Tadashis Erschöpfung, die Bedrohung - sie ist optisch spürbar. Weitere Charaktere, wie beispielsweise Tadashis Onkel, wirken eher grotesk und unheimlich anstatt vertraut und liebenswürdig.

Allerdings zieht sich eine stabile Konstante durch fast alle Werke: Liebe.
Zugegeben, Kaori wirkt übertrieben dramatisch, ständig beschwert sie sich und scheint, Tadashi das Leben schwer zu machen. Und auch Tadashi wirkt am Anfang zu unbekümmert, fast schon überheblich. Doch trotz dieses ersten Eindrucks ist an ihrer Beziehung zueinander nicht zu rütteln. Wie auch bereits in "Uzumaki" wird hier eine Liebe dargestellt, wie sie trotz aller Widrigkeit stärker nicht sein könnte.

"Gyo" ist ein Horrorwerk für Genießer des Genres, die sich auch gerne mal die Zeit nehmen, in die Zeichnung einzutauchen. Belohnt werden sie außerdem in dieser Deluxe Edition durch zwei Kurzgeschichten, wovon "Der Spuk in der Amigara-Spalte" ("The Enigma of Amigara Fault") der ein oder anderen Person vertraut vorkommen dürfte.


Wertung: 5 / 5

  

Leseprobe: Gyo Deluxe / Ito, Junji

Shop: www.comic-time.de/gyo-deluxe