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Montag, 10. Januar 2022

Kristina liest ... "Dead Mount Death Play" (Band 1)


 

 

Wie tötet man einen Leichengott?

In einer längst vergangenen Zeit stellt sich Shagrua, der von der Kirche entsandte legendäre Unheilbrecher, dem fürchterlichen Nekromanten in einem erbitterten Duell. Zu lange hat Shagrua nach ihm gesucht, zu stark ist die Sehnsucht, diesem Unruhestifter endlich das Handwerk zu legen. Doch was der Held nicht weiß: Es ist gar nicht so einfach, einen magischen Leichengott zu legen.

Raus aus der Vergangenheit, rein in die Zukunft

Nach dem finalen Kampf und des Sieges gewahr, ahnt Shagrua nur bedingt, dass der soeben Getötete plötzlich an einem anderen Ort, in einer vollkommen anderen Zeit erwacht: als Polka Shinoyama - mit einer sehr tiefen Halsschnittwunde. 

Dass diese Verletzung höchst ungewöhnlich ist - vor allem, wenn die betroffene Person auch noch quickfidel damit herumläuft -, findet auch die örtliche Polizei des modernen Tokios und hält den "neuen" Polka auf. Bevor der Plausch Antworten bringt, mischt sich eine junge Frau namens Misaki Sakimiya ein und flüchtet mit Polka. 

Was der Beginn einer wunderbaren Freundschaft hätte werden können, entpuppt sich als erbarmungslose Jagd, in der es um Leben und Tod geht.

Fazit: Spannender Einstieg mit unterhaltsamer Situationskomik

Ryohgo Narita erzählt nicht nur eine Geschichte, in der es um Gut und Böse geht, in der es klare Grenzen zwischen dem Moralischen und Unmoralischen gibt. Vielmehr verschwimmen eben diese Grenzen, sodass der Nekromant und Leichengott einen fast vertrauten Charakter bekommt. Denn alles, wonach sich dieser sehnt, ist ein bisschen Frieden und Ruhe zu finden. Dennoch wird er aufgrund seiner unermessenen Kraft zur Gefahr für die einen und zur nützlichen Waffe für die anderen.

Die Zeichnungen von Shinta Fujimoto unterstreichen die Erzählung. Insbesondere die Szenen mit den hinterlassenen Seelen, die an Orten wie Folterkeller ruhelos verweilen, jagen einem den kalten Schauer über den Rücken. Natürlich kommt in den wenigen Erotik-Szenen und gelegentlich den Kampfszenen auch der "Fanservice" nicht zu kurz, doch nimmt dieser meiner Meinung nach nicht Überhand. Wer wie ich eher sensibel auf solche Inszenierungen reagiert, wird mit Situationskomik und einer spannenden Story fürs "Durchhalten" belohnt.

Nicht nur der Nekromant hat ein Interesse daran, in dieser Neuzeit zu verweilen - alle Taten, alle Tode ziehen Konsequenzen nach sich, die niemanden geringeres als die Polizei auf den Bildschirm ruft.

Für Actionfans wie auch Hobbybeschwörer absolut empfehlenswert!

 

Wertung: 5 / 5

 

Leseprobe: online.fliphtml5.com

Shop: www.comic-time.de/dead-mount-death-play-1


Randnotiz:
In Japan gibt es bereits 8 Bände, die Reihe läuft aktuell noch.
In Deutschland sind derzeit 2 Bände erschienen. Band 3 ist für Februar 2022 angekündigt worden.

Donnerstag, 1. Juli 2021

Kristina liest ... "Promise Cinderella" (Band 1)

 

 

 

 

 

 

"Und dann wird man plötzlich hintergangen"

Hayame Imai ist 27 Jahre, frisch verheiratet und hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Als sie auf der Heimfahrt eines Tages in der Bahn Zeugin eines Schüler-Mobbings wird, kann sie auch dieses Mal nicht einfach wegsehen und mischt sich ein. Standhaft lässt sie sich auf die Provokation der Teenager ein und gewinnt in einem kleinen Spiel gegen den jungen Issei. Dieser muss dank seiner großen Klappe nun seine Wettschulden unter dem Gelächter seiner Freunde begleichen.

Zu Hause angekommen, erzählt Hayame ihrem Mann Masahiro von dem Vorfall. Er vermutet direkt, dass sie dem gehänselten Schüler geholfen haben muss und beide erinnern sich an ihr Kennenlernen, das ähnlich ablief.

 

Das echte Spiel des Lebens

Und dann kippt plötzlich der Ton: Hayame hat herausgefunden, dass Masahiro sie betrügt und stellt ihn zur Rede. Doch anstatt ihres geplanten Versöhnens und "Schwamm drüber"-Plans, denkt er gar nicht daran, weiter zusammenzubleiben.
 

 Ein paar unglückliche Zufälle später landet sie auf der Straße und weiß weder ein, noch aus. In einem Park sucht sie Unterschlupf und trifft wenige Tage später natürlich auf genau ihn: Issei. Der mehr als nur Vergnügen daran findet, sie in ihrer Situation herabzuwürdigen und zu provozieren. Doch er bietet ihr den einzigen (schnellen?) Ausweg aus ihrer misslichen Lage - mit einem Haken: Sie muss sich auf sein "Spiel" einlassen.

 

Fazit: Authentische Charaktere mit Tiefgang und Grips

Was zunächst als ausgewaschene und toxische Macho-Geschichte vermuten lässt, ist alles andere als eindimensional und langweilig. Hayame wird als starke, aber auch mitfühlende Frau dargestellt, die bis zum Schluss des ersten Bandes ihrem Charakter treu bleibt und sich aufgrund ihres Stollzes nur ungern unterbuttern lässt.

Issei dagegen ist eine wahre Nervensäge, die nur so vor Alpha-Getue strotzt. Dem aber auch klar ist, dass er wohl ohne das Vermögen seiner Eltern nicht viel wäre. Weitere Charaktere kommen im Verlauf der Geschichte ebenfalls hinzu und machen sie spannend.

Die Story wird nachvollziehbar und intelligent erzählt, die Zeichnungen sind einfühlsam und atmosphärisch. Das Lachen kommt ebenfalls nicht zu kurz, im Gegenteil, dadurch, dass Hayame ihrer Linie treu bleibt, entstehen wirklich skurrile, aber witzige Momente.

Wer also Lust auf erwachsene(re) Geschichten hat, die mit einem Haken ;) daherkommen, sollte hier definitiv zugreifen! 



Wertung: 5 / 5


Leseprobe: https://online.fliphtml5.com/

Shop: https://www.comic-time.de/promise-cinderella-1.html

 

Randnotiz:
Bisher sind in Japan 12 Bände erschienen, die Reihe läuft noch.
Band 2 ist aktuell für September angekündigt.

Montag, 24. Mai 2021

Kristina liest ... "Perfect World" (Band 1)

"Könntest Du Dich in jemanden verlieben, der eine Behinderung hat?"

Mit diesen provokanten Worten startet die Geschichte der 26-jährigen Tsugumi Kawana, die bei einem Geschäftsessen unter anderem auf Itsuki Ayukawa trifft. Er war zu Schulzeiten ihre erste große Liebe. Schon damals träumte er davon, Architekt zu werden, was allen Anschein nach auch geklappt hat. Tsugumi dagegen wollte Illustratorin werden, musste diesen Traum aber aufgeben und arbeitet nun als Innenarchitektin.

Als Itsuki kurz aufstehen will, überrascht sie der Anblick: Er braucht einen Rollstuhl, da er aufgrund eines Unfalls in seiner Studienzeit nicht mehr laufen kann. Die Kollegschaft wusste davon, doch Tsugumi, die ihn lange nicht mehr gesehen hatte und immer noch ein wenig Herzklopfen empfindet, muss die Situation erst noch für sich verdauen. Was ist in all der Zeit passiert, als jeder den eigenen Weg ging?

 

 

Schmerzhafte Erfahrungen und eine ungewisse Zukunft

Aufgrund ihrer Arbeit haben die beiden wieder regelmäßig miteinander zu tun, sodass Tsugumi immer mehr von der Komplexität des Lebens mit Behinderung erfährt. Anfangs noch davon überzeugt, Itsuki respektive einen Menschen mit Behinderung nicht lieben zu können, entwickelt sie doch wachsende Gefühle für ihn, die nicht selten von erdrückender Hilflosigkeit umgeben werden. Als er plötzlich wegen eines Druckgeschwürs ins Krankenhaus muss, gibt es anscheinend nichts, was sie tun oder sagen könnte, um ihn zu trösten. 

Kann sie einer solchen Beziehung überhaupt je gerecht werden? Und was denkt Itsuki darüber, wo er sich doch gar nicht verlieben will?



Fazit:  Rundum gelungene Liebes- und Lebensgeschichte

Dass ein Manga sich jenseits der Klischeeschnulzigkeit (zumeist Schule, Herzklopfmomente und durch zu viele Missverständnisse erzeugtes, fast schon künstliches Drama) bewegt und ernsthafte, realistische Themen aufgreift, kommt sehr selten vor. "Perfect World" bricht mit dieser klassischen Shojo-Inszenierung und beschäftigt sich mit einem unausgesprochenen Tabuthema: Leben mit Behinderung.

Rie Aruga zeichnet eine mehrschichtige, komplexe, aber einfühlsame und respektvolle Geschichte, wie sie authentischer nicht sein könnte: Von Bewegungsproblematik über Stuhlgang bis hin zu Geschwüren werden die einzelnen Aspekte offen angesprochen und thematisiert. Dadurch, dass die Hauptfiguren mit Bauprojekten ihr Geld verdienen, wird auch barrierefreies Bauen und Wohnen in den Mittelpunkt gerückt. Gelegentlich werden auch scherzhafte Momente eingefädelt, um die Situation aufzulockern.

Natürlich kommen auch Gefühle nicht zu kurz: Tsugumis Kämpfen mit sich selbst ist glaubwürdig und stets mit überzeugenden Argumenten belegt. Kann sie Itsuki gerecht werden, sich um ihn kümmern? Oder benötigt er jemand stärkeren, aufopferungsvolleren als Tsugumi an seiner Seite? Was halten die Eltern und Angehörigen von so einer Beziehung?

Klare Empfehlung für alle, die auf der Suche nach realitätsnaher Romantik sind und dabei nicht scheuen, ihre vermeintliche Komfortzone zu verlassen.

 

Wertung: 5 / 5

 

Leseprobe: egmont-manga.de/leseprobe

Shop: https://www.comic-time.de/perfect-world-1.html


Randnotiz:
Bisher sind 11 Bände in Deutschland erschienen.

Abgeschlossen ist die Reihe mit 12 Bänden in Japan.
Band 12 ist für November 2021 angekündigt.