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Mittwoch, 24. Mai 2023

Alice liest... BL forever VS No More BL

"War heute das erste Mal, dass ich einen Geist gesehen habe. Aber ich kann mir gut vorstellen was mit dem Typen passiert, der den Geist jetzt an der Backe hat. Natürlich verliebt er sich. Hab davon gelesen."

Hübsche Männer wohin das Auge reicht. Und Frauen sind alle... verschwommen? In dieser Welt lebt unser Protagonist, in der Welt von Boys Love Mangas. Damit er nicht selber Opfer eines überbenutzten Boys Love Trope wird, wird er (ungewollt) zu einem Boys Love Experten durch Mangas und versucht ein Leben als ein Nebencharakter zu leben. Doch das erweist sich manchmal als schwerer als er sich wünscht.


Ich muss zugeben, dass ich zuvor das Live Action Drama davon gesehen habe und musste danach auch sofort den Manga lesen, als Egmont den veröffentlicht hat. Für jemanden, der auch viele Boys Love Manga schon gelesen habe, ist es so witzig zu sehen, wie jemand versucht, diese Tropes zu umgehen. Wie man vielleicht schon rauslesen kann, fühlt es sich eher an wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, was nicht umbedingt schlecht ist, bloß weiß ich, dass manche lieber eine durchgehende Geschichte haben wollen, anstatt nur einem recht passiven Protagonisten, der nur beobachtet. Trotzdem kommen manche Charaktere wieder und deren Geschichte wird Stück für Stück weiter ausgebaut, wie zum Beispiel der kleine Bruder vom Protagonisten.


Was ich bisschen witzig finde ist, dass Egmont auf im Manga "Konkici" als Mangaka stehen haben, sie aber "Konkichi" heißt und auch so auf deren Website steht. Wird der Verlag es bemerken oder ziehen sie es durch? Wer weiß!

 

Fun Facts beiseite. Wenn man Boys Love Fan ist, muss man den einmal gelesen haben, um teilweise zu sehen wie lächerlich manche Tropes sind. Aber auch für jemanden, der kaum Ahnung hat von Boys Love Manga, ist es ein guter Comedy Manga, wo jemand versucht ein ruhiges Leben zu leben, das jedoch nicht immer klappt.

Wenn man lustig drauf ist, kann man sich auch das Live Action Drama geben, dass mir so viel Freude und Fremdscham gleichzeitig gegeben hat, und die erste Staffel ist auch mit 4 Episoden abgeschlossen (uns eine 2. Staffel wurde auch angekündigt!). 


Zum Shop: BL Forever VS No More BL






 

Sonntag, 11. September 2022

Kristina liest ... "Azure & Claude" (Band 1)

Das Leben der Menschen "aufräumen"

Der Auftrag ist eigentlich eindeutig: Töte Menschen und lass es wie Selbstmord aussehen. Mithilfe von Gedankenkontrolle, das Hacken des menschlichen Kopfes quasi, sollen die jeweiligen Zielpersonen übernommen und geführt werden. Unser Protagonist nennt es "Aufräumen", und meint damit nicht nur die Wohnung und das Leben dieser Zielpersonen.

Wie er wohl an diese Arbeit gekommen ist? Unklar. Doch die 7. Person soll etwas besonderes sein. Sie lässt sich durch seine Manipulationen nicht so leicht irritieren - viel mehr noch scheint es, als wäre er ihr ein willkommener Gast, auf den sie schon zu lange gewartet hat.

Auftrag fehlgeschlagen?

Die Gedankenkontrolle lässt eine innere Unterhaltung zu, der "Aufräumer" kann aber jederzeit den Körper übernehmen und so steuern, wie es der Auftrag erfordert. Dennoch hat die neue Zielperson Informationen über ihn, sie weiß mehr, als er anfangs vermutet hätte - und obwohl ihm nicht mehr viel Zeit zur Erledigung des Auftrags bleibt, weckt sie sein Interesse ...

Fazit: Düster und dennoch spannend

Aufgrund der sensiblen Thematik ist dieser Manga nichts für schwache Seelen. Eine im Vordergrund stehende Todessehnsucht sowie ein sadistisches Ego lassen beim Lesen in Abgründe blicken, auf die man gefasst sein sollte. Auch sind explizite Darstellungen von versuchten Suizid zu finden, die erschüttern können.

Und dennoch keimt Hoffnung in der Geschichte auf, angetrieben von den Fragen, wer dieses Mädchen ist, warum sie so viel von seiner Arbeit weiß und wieso sie so verzweifelt versucht zu sterben. 

Für alle, die gerne in menschliche Abgründe blicken, seien sie noch so düster!


Wertung: 5 / 5

Shop: www.comic-time.de/azure-claude-1

Leseprobe: bic-media.com

 

Randnotiz:
In Japan läuft die Reihe noch.
Bisher sind 2 Bände erschienen, Band 3 ist noch nicht angekündigt und noch nicht in Japan erschienen. 

Freitag, 7. Januar 2022

Kristina liest ... "Madokas Geheimnis"


 

 

Nur Mädchen dürfen Kleider tragen und süß aussehen!

Der 12-jährige Madoka Yamada kennt es nicht anders: Seine große Schwester entwirft eigene Kleider und lässt ihn für sich modeln. Nicht, um ihn abzustrafen oder zu verbiegen, sondern weil sie ihn darin unglaublich süß findet. Und auch Madoka genießt diese Wertschätzung und Anerkennung sehr - auch wenn er nach dem Umzug bemüht ist, diesen Teil seines Lebens an der neuen Schule geheim zu halten. Denn an seiner alten Schule wurde ihm dieses Hobby zum Verhängnis.

 

Zwischen Authentizität und Anpassung

So gern er auch süße Accessoires mag, die andere wohl für "typisch mädchenhaft" halten, will er nun einen Neuanfang und sich als cooler, stilsicherer Typ geben. Dass das nicht unbedingt von heute auf morgen und schon gar nicht so einfach ist, merkt er schnell selbst. Trotz der Unterstützung seiner Schwester kann er sein Hobby nicht vor den Nachbarn geheimhalten - darunter auch Itsuki Tanonaka, sein Schulnachbar! Wird Itsuki das Geheimnis hüten können, obwohl die erste Begegnung der beiden alles andere als freundschaftlich war?

 

Fazit: Süßer Einzelband mit einer wichtigen Botschaft

Der Manga beschäftigt sich mit klassischen, teils sogar sehr veralteten Stereotypen über (binäre) Geschlechterrollen auf sehr leichte und angenehme Weise. Jungs haben so zu sein, Mädchen so - klare Trennung der Eigenschaften und Verhaltensweisen, jegliche Abweichung könnte als "abartig" aufgefasst werden. Das zeigt sich insbesondere in Madokas Gedanken und Ängsten, weswegen er umso verbissener versucht, nicht weiter aufzufallen. Doch sein lebensfroher, freundlicher und liebenswürdiger Charakter zieht seine Klassenkameraden magisch an. Und nicht nur dieser Konflikt wird dargestellt, sondern auch die Gegenseite aus Sicht eines Mädchens wird beleuchtet.

Die Beziehung zu seiner Schwester und seiner Familie im Allgemeinen wirkt gesund, offen und liebevoll. Dort verurteilt ihn niemand dafür, dass er süß aussehen möchte und sich in den selbstgeschneiderten Kleidern seiner großen Schwester wohlfühlt. Deme Kingyobachi erzählt eine wundervolle Geschichte über das Erwachsenwerden, ohne respektlos oder widersprüchlich zu werden. Und sendet dabei eine wichtige Botschaft: Bleib dir selbst treu, solange du dich damit wohlfühlst und niemand dabei zu Schaden kommt.

Für alle, die gerne aus diesen festgefahrenen Klischees ausbrechen möchten und ein bisschen Seelenfrieden für Zwischendurch suchen!

 

Wertung: 5 / 5

 

Shop: www.comic-time.de/madokas-geheimnis


Randnotiz:
Der Manga ist als Einzelband abgeschlossen.

    

Freitag, 30. Juli 2021

Kristina liest ... "Saat der Angst" (Luxury Edition)

 

"Manchmal ist es besser, so zu tun, als hätte man die Bewegung im Augenwinkel nicht gesehen."

Wer kennt sie nicht, die Geschichten, die man am Lagerfeuer zum Gruseln erzählt, die Vorstadt-Legenden, die einem einen Schauer über den Rücken jagen oder auch die Eltern, die bereits ihren Kindern Gruseliges erzählen, damit diese artig sind. Auch in Japan sind solche Erzählungen keine Ausnahme und finden sich in "Saat der Angst" als unterhaltsame wie spannende Kurzgeschichtensammlung wieder.

Dabei fasst das Buch den Inhalt in 3 Teile und diese wiederum in Unterkategorien zusammen. So sind Überschriften zu finden wie "Es verfolgt mich ..." oder "Grotesk" und tragen sprachlich zum Gruseln bei. Unterstrichen wird das ganze mit eindrucksvollen Zeichnungen, die die eigene Fantasie anregen - auch wenn das Buch zur Seite gelegt wird ("Saat", ihr versteht). Jedes Umblättern wird damit zur Mutprobe, zur Frage, ob man bereit ist für das, was einen auf der anderen Seite erwartet.

  

Fazit: Atmosphärische Sammlung an spannenden Horrorgeschichten

Masaaki Nakayama gelingt es, durch die Zeichnungen ein Gefühl des Beobachtetwerdens zu vermitteln, das die Sehnsucht nach einer Lichtquelle deutlich erhöht. Beim Lesen ist man dem Zufall ausgeliefert, kann sich nicht vorbereiten auf das, was einen an Bildern erwartet und genießt - Horrorfan vorausgesetzt - jeden Zentimeter Gänsehaut.

Dabei sind die Geschichten stellenweise nicht länger als 3 Seiten, hinterlassen ein unangenehmes Schaudern und machen trotzdem Lust auf mehr. Dennoch ist es aufgrund der Länge auch gleichzeitig geeignet für Zwischendurch. Die einzelnen Erzählungen sind weitestgehend voneinenader unabhängig und erklären nur selten, wieso es zu diesen Erscheinungen kommt. Die Interpretation ist der Leserschaft vorbehalten.

  
Wer den Anime "Theatre of Darkness (Yamishibai)" kennt und mag, wird hier definitiv zuschlagen müssen.

Aber auch für andere Horrorfans und Aberglaube-Freunden, die sich nach kurzen, abwechslungsreichen Horrorgeschichten sehnen, ist es durchaus empfehlenswert!

 

Wertung: 5 / 5

Auch wenn ich mir für manche Phänomene eine kurze Erklärung gewünscht hätte (oder den Ursprung dazu, wie bei Yurei, Oni bzw. Yokai meist bekannt), kann und möchte ich deswegen keinen Punkt abziehen, da es das Schaudern eher verstärkt anstatt mindert.


Shop: https://www.comic-time.de/saat-der-angst.html

Montag, 21. Juni 2021

Kristina liest ... "Highschool Heldin" (Band 1)

Neue Schule, neues Glück?!

Also Shuko Kodakamine in der dritten Klasse die Möglichkeit bekam, einem neuen Hobby nachzugehen, war ihre Freude kaum zu bremsen. Geige? Klavier? Oder vielleicht doch Ballett? Doch es kam anders: Statt ihrer eigenen Vorlieben wurde Kampfsport ausgewählt. Ausgerechnet Kampfsport! 

Dennoch übte sie fleißig und kann sich nun, an der neuen Highschool kaum vor Klub-Angeboten retten. Doch eigentlich wünscht sie sich nur eines: einen normalen Highschool-Alltag als ganz gewöhnliches Mädchen, in dem sie auch einfach mal nicht stark sein muss.


"Ich möchte, dass du mich beschützt!"

Als Shuko ganz in Gedanken versunken den Schulflur entlangläuft, stößt sie fast mit dem gutaussehenden, aber fliehenden Masaki Serizawa aus der Parallelklasse zusammen. Sie kann ihm auf eindrucksvolle Weise - Masaki würde sagen, wie ein Ninja! - ausweichen und hinterlässt bei ihm einen bleibenden Eindruck.

Schon bald stellt sich heraus, dass er aufgrund eines Missverständnisses Schläge kassieren soll, aber davon verständlicher weise nicht allzu begeistert ist. Da ergibt sich die Gelegenheit: Er bittet Shuko, sein Bodyguard zu sein und verspricht ihr im Gegenzug, sie zum "Mädchen Nummer eins" zu machen. Einzige Bedingung: Sie müssen ein Paar werden!


Fazit: Süße Shojo-Geschichte mit hübschen Zeichnungen

Man nehme ein schüchternes, aber starkes Mädchen, füge einen etwas tollpatschigen, aber liebenswürdigen Jungen hinzu, lässt beide aufeinander treffen und beobachtet, wie die Gefühle wachsen - das klassische, aber stets funktionierende Shojo-Rezept. Dabei darf eine Prise schön gezeichneter Figuren nicht fehlen!

Besonders amüsant sind dabei jene Szenen, in denen sich die beiden näher kommen könnten, wenn da nicht Shukos einzigartige Reflexe wären, die den (armen) Masaki in hohem Bogen zu Boden fliegen lassen. Zwar wirkt der Manga am Anfang sehr klischeehaft und oberflächlich, räumt damit aber auf, indem er im Lauf der Geschichte näher auf die inneren Gefühle und Hintergründe der beiden eingeht. 

Einziges Manko ist für mich, dass im ersten Band relativ wenige Nebencharaktere vorkommen und die, die es tun, recht monoton wirken. Aber das kann sich in den Folgebänden ja durchaus ändern.

Der Manga richtet sich besonders an die jüngere Leserschaft, ist aber auch für ältere Personen definitiv ein süßer Zeitvertreib!

 

Wertung: 4 / 5

Einen Punkt Abzug gibt es, da im ersten Band nur sehr wenige Nebencharaktere vorkommen, sodass die beiden sehr einsam wirken, wenn sie nicht einander hätten.


Shop: https://www.comic-time.de/highschool-heldin-1.html


Randnotiz:
Abgeschlossen ist die Reihe voraussichtlich mit 4 Bänden in Japan.
Die Bände 2 (erscheint im Juli), 3 (September) und 4 (Oktober) sind bereits angekündigt.

Dienstag, 15. Juni 2021

Kristina liest ... "Noah of the Blood Sea" (Band 1)

 

 


Willkommen auf dem Luxusliner Bical Carata!

Eine Kreuzfahrt für lau, um dem Alltag zu enkommen - wer würde da nicht gerne sofort an Bord gehen. Das dachte wohl auch Akaris Vater, als er das Angebot annahm. Gemeinsam mit ihm und ihrem kleinen Bruder Yuzuru erkundet Akari das Schiff, nichts ahnend, was dieses unter Deck an Geheimnissen noch bereit hält.

Als der kleine Yuzuru dann kurzzeitig verschwindet, lernt Akari vor ihrer Suche Kakeru kennen, der ebenfalls mit seinen Freunden dem Festland zur Erholung entkommen möchte. Kakeru, der nichts anbrennen lässt, flirtet kurz mit Akari, bevor er sich zum Essen verabschiedet. Auf der Suche nach Yuzuru kommen Akari und ihr Vater in den VIP-Bereich - doch etwas ist hier merkwürdig. Leider werden sie vom Personal bei ihrer Suche gestört und verlassen mit einem mulmigen Gefühl schnellstmöglich den Bereich.

 

Kreuzfahrt ins Ungewisse 

Auf dem Rückweg treffen sie eine Gruppe Frauen und siehe da: Yuzuru ist ebenfalls dabei! Doch das soll nicht das letzte Mal sein, dass er verschwindet. Schon bald wird sowohl Akari, ihrer Familie als auch Kakeru und seinen Freund klar, dass hier etwas gewaltig nicht stimmt. 

Die Abendprogramme sind verpflichtend, auch wenn das Essen vorzüglich schmeckt. Doch am nächsten Abend scheint es, als wären die ehemaligen Tischnachbarn plötzlich verschwunden. Und Akari befindet sich plötzlich für ein Zauberstück auf der Bühne! Kakeru will gerade nach ihr rufen, bemerkt jedoch schnell, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Wurde sie betäubt? Und wie echt ist der Zaubertrick? Denn das Mädchen, dass dann auf der Bühne an eben jener Stelle steht, ist nicht Akari ...

 


Fazit: Blutrünstiger Horror, der einige Fragen offen lässt

Es beginnt mit einer grotesken Essensszene und schafft eine spannende Einleitung in die Thematik. Touristen auf einem Kreuzfahrtschiff, das in absehbarer Zeit kein Festland mehr ansteuert. Was nach einer Kaffeefahrt klingt, wird schon bald für einige unter ihnen ein tödliches Ende bedeuten. Außerdem fehlt die klassische Erzählweise: Sollte anfangs noch Akari die Protagonistin sein, wechselt der Fokus im Verlauf der Geschichte. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt verwirrend, sondern steuert dem Gesamtbild bei. Was geht hier wirklich vor sich?

Auch die gezeichneten Gesichtsausdrücke lassen mitfühlen, manche scheinbar arglosen Szenen werden ungemütlich, sobald ein Blick hinter die Kulissen geworfen wird. Alles zusammen unterstreicht das Gefühl beim Lesen, beobachtet zu werden, ja sogar angestarrt. Und dennoch wird bis zuletzt nicht ausgesprochen, welche Kreaturen hier auflauern.

Klare Empfehlung für alle Horrorfans, die auch von blutigen wie brutalen Szenen nicht abgeschreckt sind!


Wertung: 4 / 5

Einen Punkt Abzug gibt es, da die Geschichte an manchen Stellen zu berechenbar ist.


Shop: https://www.comic-time.de/noah-of-the-blood-sea-1.html


Randnotiz:
Abgeschlossen ist die Reihe mit 5 Bänden in Japan.
Die Bände 2 (erscheint im September), 3 (Dezember) und 4 (März '22) sind bereits angekündigt.

Montag, 24. Mai 2021

Kristina liest ... "Perfect World" (Band 1)

"Könntest Du Dich in jemanden verlieben, der eine Behinderung hat?"

Mit diesen provokanten Worten startet die Geschichte der 26-jährigen Tsugumi Kawana, die bei einem Geschäftsessen unter anderem auf Itsuki Ayukawa trifft. Er war zu Schulzeiten ihre erste große Liebe. Schon damals träumte er davon, Architekt zu werden, was allen Anschein nach auch geklappt hat. Tsugumi dagegen wollte Illustratorin werden, musste diesen Traum aber aufgeben und arbeitet nun als Innenarchitektin.

Als Itsuki kurz aufstehen will, überrascht sie der Anblick: Er braucht einen Rollstuhl, da er aufgrund eines Unfalls in seiner Studienzeit nicht mehr laufen kann. Die Kollegschaft wusste davon, doch Tsugumi, die ihn lange nicht mehr gesehen hatte und immer noch ein wenig Herzklopfen empfindet, muss die Situation erst noch für sich verdauen. Was ist in all der Zeit passiert, als jeder den eigenen Weg ging?

 

 

Schmerzhafte Erfahrungen und eine ungewisse Zukunft

Aufgrund ihrer Arbeit haben die beiden wieder regelmäßig miteinander zu tun, sodass Tsugumi immer mehr von der Komplexität des Lebens mit Behinderung erfährt. Anfangs noch davon überzeugt, Itsuki respektive einen Menschen mit Behinderung nicht lieben zu können, entwickelt sie doch wachsende Gefühle für ihn, die nicht selten von erdrückender Hilflosigkeit umgeben werden. Als er plötzlich wegen eines Druckgeschwürs ins Krankenhaus muss, gibt es anscheinend nichts, was sie tun oder sagen könnte, um ihn zu trösten. 

Kann sie einer solchen Beziehung überhaupt je gerecht werden? Und was denkt Itsuki darüber, wo er sich doch gar nicht verlieben will?



Fazit:  Rundum gelungene Liebes- und Lebensgeschichte

Dass ein Manga sich jenseits der Klischeeschnulzigkeit (zumeist Schule, Herzklopfmomente und durch zu viele Missverständnisse erzeugtes, fast schon künstliches Drama) bewegt und ernsthafte, realistische Themen aufgreift, kommt sehr selten vor. "Perfect World" bricht mit dieser klassischen Shojo-Inszenierung und beschäftigt sich mit einem unausgesprochenen Tabuthema: Leben mit Behinderung.

Rie Aruga zeichnet eine mehrschichtige, komplexe, aber einfühlsame und respektvolle Geschichte, wie sie authentischer nicht sein könnte: Von Bewegungsproblematik über Stuhlgang bis hin zu Geschwüren werden die einzelnen Aspekte offen angesprochen und thematisiert. Dadurch, dass die Hauptfiguren mit Bauprojekten ihr Geld verdienen, wird auch barrierefreies Bauen und Wohnen in den Mittelpunkt gerückt. Gelegentlich werden auch scherzhafte Momente eingefädelt, um die Situation aufzulockern.

Natürlich kommen auch Gefühle nicht zu kurz: Tsugumis Kämpfen mit sich selbst ist glaubwürdig und stets mit überzeugenden Argumenten belegt. Kann sie Itsuki gerecht werden, sich um ihn kümmern? Oder benötigt er jemand stärkeren, aufopferungsvolleren als Tsugumi an seiner Seite? Was halten die Eltern und Angehörigen von so einer Beziehung?

Klare Empfehlung für alle, die auf der Suche nach realitätsnaher Romantik sind und dabei nicht scheuen, ihre vermeintliche Komfortzone zu verlassen.

 

Wertung: 5 / 5

 

Leseprobe: egmont-manga.de/leseprobe

Shop: https://www.comic-time.de/perfect-world-1.html


Randnotiz:
Bisher sind 11 Bände in Deutschland erschienen.

Abgeschlossen ist die Reihe mit 12 Bänden in Japan.
Band 12 ist für November 2021 angekündigt.