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Mittwoch, 3. August 2022

Kristina liest ... "Tomie" (Deluxe Edition)

 

Wiederkehrendes Grauen in atemberaubend schöner Gestalt

Was passiert, wenn unstillbare Sehnsucht und Liebe in Sucht und Wahn übergeht? Tomie Kawakami, ihres Zeichens wunderschöne Schülerin, erfährt das in diesem über 700 Seiten umfassenden Buch, nicht selten am eigenen Leib. Ihr Anblick lässt die Männer scharenweise verrückt nach ihr werden, so verrückt, dass Eifersucht schnell in Mord endet.

Es beginnt bei einem unbeschwerten Schulausflug in die Berge. Während es ein schöner Sommer ist und Liebe in der Luft liegt, kippt die Stimmung schnell und endet mit Tomies Tod. Doch eine Trauerfeier ist nicht notwendig, denn der Tod ist erst der Anfang.

"Warum fühle ich mich von ihr beobachtet?"

Die Geschichte spielt überall und nirgendwo, und doch niemals ohne Tomie. Was ist es, dass diese Schönheit umtreibt? Wieso kommt sie nicht zur Ruhe? Zeit wird in diesen Erzählungen plötzlich nebensächlich, viel mehr bleibt der unruhige Blick in die Seiten. Wann taucht sie wieder auf? Wer verfällt dieses Mal ihrer Schönheit? Und: Wie wird sie sterben?

Fazit: Unzerstörbares Rezept

Mit ca. 750 Seiten kommt Tomie als richtiger Brocken ins Regal. Auf Einsteiger:innen in die Horrorwelten von Junji Ito könnte das abschreckend wirken, doch wer hartnäckig ist, der kommt hier auf seine Kosten. Anfangs noch relativ harmlos erzählt, beginnt mit zunehmender Seitenzahl die Jagd (oder Flucht?) auf Antworten, insbesondere auf die Frage: Wie schafft es Tomie, immer wieder zu kommen? Wer oder was steckt dahinter?

Im Vergleich zu Uzuamki und Gyo tauchen in diesem Werk vielfach verstörende Bilder auf: Zerstückelte Leichen, gierige, abartige Fratzen, Gewalt gegen Tomie in wiederholter Form (begleitet von ihrem fanatischen Lachen, das die Szenen ad absurdum führt und die Lesenden nicht weniger verstört zurücklässt). Es ist keine Geschichte für schwache Nerven - oder schlecht beleuchtete Zimmer.

Die persönliche und künstlerische Weiterentwicklung von Junji Ito lässt sich wie bei Shiver auch hier sehr gut erkennen: Die Striche werden detaillierter, die Geschichte ausgereifter, der Surrealismus eskalierender und hartnäckiger.

Eine klare Empfehlung für alle, die nicht vor Brutalität und Horror zurückschrecken.


Wertung: 5 / 5

Shop: www.comic-time.de/tomie-deluxe

Randnotiz:
2019 erschien "Uzumaki - Spiral into Horror" hierzulande. Gefolgt von "Gyo - Der Tod aus dem Meer" 2020 und "Shiver - Meisterhafte Horrorgeschichten" 2021.
"Tomie - Es gibt kein Entkommen" erschien am 22.03.2022.
"Lovesickness - Liebeskranker Horror" kam 02.08.2022 in den Handel.


Mittwoch, 23. Februar 2022

Henry liest… Punisher - Frank ist zurück!

 



Tatsächlich ein Must-Have! Wie das Cover verrät ist der Marvel-Comic: „Punisher; Frank ist zurück!“, meiner Meinung nach ein Muss. Als absoluter Fan der Verfilmung dieses Comics fragte ich mich ob die Regisseure mit ihrer Version dem gezeichneten Ursprung gerecht wurden. Somit hatte ich, begeistert von der TV-Serie, hohe Anforderungen an das Original und muss nach dem Lesen sagen ich wurde alles andere als enttäuscht.





 

Action pur ist garantiert nachdem der Punisher zurückkehrt und eine kriminelle Großfamilie anvisiert, welche ihr Unwesen in New York treibt. Außerdem zieht Frank Castle‘s Treiben Nachahmer mit sich, die ihre eigene Interpretation der Gerechtigkeit anhand von Selbstjustiz 
verbreiten wollen.



 





Der Comic ist nichts für schwache Gemüter, denn ähnlich wie in der Serie bringt der Portagonist ständig Kriminelle auf brutalste Art und Weise um. Beim Darstellen der Brutalität der Morde, die der ehemalige Soldat begeht, hilft der realitätsnahe Stil, welcher von Steve Dillon gezeichnet wurde. Dillon setzte die actionreiche Story, von Garth Ennis geschrieben, aufregend um und insgesamt macht das Endprodukt einfach süchtig nach mehr.




 


Letztendlich gibt es von mir 5/5 ⭐️, da ich in keinster Weise, trotz meiner hohen Ansprüche, enttäuscht wurde. Außerdem respektiere ich die Liebe zum Detail die sich in den Zeichnungen widerspiegelt. Auch die Story begeisterte mich. Sie ließ keine Zeit für Verschnaufpausen und lieferte Nonstop-Action, was für mich genau das Richtige ist. Auch wenn ich weiterhin ein Fan der TV-Version bleiben werde muss man sagen, dass der Punisher im Comic noch brutaler und durchtrainierter ist als die TV-Version. Er ist im Original außerdem viel gewitzter und kreativer in der Art und Weise seine Gegner auf seinen „Kreuzzügen“ zu erledigen, während in der Serie meist nur Schießereien stattfinden.





Dienstag, 15. Juni 2021

Kristina liest ... "Noah of the Blood Sea" (Band 1)

 

 


Willkommen auf dem Luxusliner Bical Carata!

Eine Kreuzfahrt für lau, um dem Alltag zu enkommen - wer würde da nicht gerne sofort an Bord gehen. Das dachte wohl auch Akaris Vater, als er das Angebot annahm. Gemeinsam mit ihm und ihrem kleinen Bruder Yuzuru erkundet Akari das Schiff, nichts ahnend, was dieses unter Deck an Geheimnissen noch bereit hält.

Als der kleine Yuzuru dann kurzzeitig verschwindet, lernt Akari vor ihrer Suche Kakeru kennen, der ebenfalls mit seinen Freunden dem Festland zur Erholung entkommen möchte. Kakeru, der nichts anbrennen lässt, flirtet kurz mit Akari, bevor er sich zum Essen verabschiedet. Auf der Suche nach Yuzuru kommen Akari und ihr Vater in den VIP-Bereich - doch etwas ist hier merkwürdig. Leider werden sie vom Personal bei ihrer Suche gestört und verlassen mit einem mulmigen Gefühl schnellstmöglich den Bereich.

 

Kreuzfahrt ins Ungewisse 

Auf dem Rückweg treffen sie eine Gruppe Frauen und siehe da: Yuzuru ist ebenfalls dabei! Doch das soll nicht das letzte Mal sein, dass er verschwindet. Schon bald wird sowohl Akari, ihrer Familie als auch Kakeru und seinen Freund klar, dass hier etwas gewaltig nicht stimmt. 

Die Abendprogramme sind verpflichtend, auch wenn das Essen vorzüglich schmeckt. Doch am nächsten Abend scheint es, als wären die ehemaligen Tischnachbarn plötzlich verschwunden. Und Akari befindet sich plötzlich für ein Zauberstück auf der Bühne! Kakeru will gerade nach ihr rufen, bemerkt jedoch schnell, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Wurde sie betäubt? Und wie echt ist der Zaubertrick? Denn das Mädchen, dass dann auf der Bühne an eben jener Stelle steht, ist nicht Akari ...

 


Fazit: Blutrünstiger Horror, der einige Fragen offen lässt

Es beginnt mit einer grotesken Essensszene und schafft eine spannende Einleitung in die Thematik. Touristen auf einem Kreuzfahrtschiff, das in absehbarer Zeit kein Festland mehr ansteuert. Was nach einer Kaffeefahrt klingt, wird schon bald für einige unter ihnen ein tödliches Ende bedeuten. Außerdem fehlt die klassische Erzählweise: Sollte anfangs noch Akari die Protagonistin sein, wechselt der Fokus im Verlauf der Geschichte. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt verwirrend, sondern steuert dem Gesamtbild bei. Was geht hier wirklich vor sich?

Auch die gezeichneten Gesichtsausdrücke lassen mitfühlen, manche scheinbar arglosen Szenen werden ungemütlich, sobald ein Blick hinter die Kulissen geworfen wird. Alles zusammen unterstreicht das Gefühl beim Lesen, beobachtet zu werden, ja sogar angestarrt. Und dennoch wird bis zuletzt nicht ausgesprochen, welche Kreaturen hier auflauern.

Klare Empfehlung für alle Horrorfans, die auch von blutigen wie brutalen Szenen nicht abgeschreckt sind!


Wertung: 4 / 5

Einen Punkt Abzug gibt es, da die Geschichte an manchen Stellen zu berechenbar ist.


Shop: https://www.comic-time.de/noah-of-the-blood-sea-1.html


Randnotiz:
Abgeschlossen ist die Reihe mit 5 Bänden in Japan.
Die Bände 2 (erscheint im September), 3 (Dezember) und 4 (März '22) sind bereits angekündigt.