Montag, 15. Februar 2021

David liest 3... Sandman Deluxe 1: Präludien & Notturni

Sandman ist aus gutem Grund hochgelobt und dabei die einflussreichste, mehrfach ausgezeichnete Comic-Serie der Moderne. Die intelligente, tiefgründige Story, elegant und fantasievoll geschrieben von Neil Gaiman und abwechselnd illustriert von bekannten Künstlern der Comic-Szene (allein die absolut fantastischen Cover!), bietet eine üppige Mischung moderner Mythen und Dark-Fantasy, in der zeitgenössische Literatur, historisches Drama und Legenden verschwimmen. 

Sandman wurde in kurzer Zeit für mich ein ganz wichtiges Werk in der Literatur. Warum? Weil mir, auch nachträglich, in vielen anderen Geschichten/ Romanen aber auch Comics immer wieder Dream und Neil Gaimans Fantasie bewusst werden. Fragen, wie würden wir Menschen uns in einer traumlosen Welt verändern? Was würde passieren, wenn andere in diese (Traum-) Machtposition kommen? Begegnungen mit u.a. John Constantine, sowie das exzellente Storytelling werden für mich in Erinnerung bleiben.

Sweet dreams are made of this!

Die Story ist zwar alt, aber zeitlos und seiner Zeit voraus. Das macht Sandman so unvergesslich und groß. In diesem Fall lohnen sich die Deluxeausgaben, abgesehen von dem Vorwort, das jeder Band beinhaltet, stecken in diesen Bänden in der Regel mehrere Geschichten, also auch Kurzgeschichten. Viele beschreiben die Sandman Comics als „hässlich“, old-school, oder die Reihenfolge der Panels als unlogisch, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Mich ziehen die organischen Panels und die extrem fantasievollen Charaktere, Welten, voll in den Bann. Auch die Cover der jeweiligen Kapitel, und das Cover selbst, sind fantastisch gestaltet. Dabei werden Stile und Techniken kombiniert und zu einem tollen Bild zusammen gefügt. Wenn man diese betrachtet hat man das Gefühl eine abgefahrene psychedelische Erfahrung zu machen.

 „Präludien & Notturni“ lässt uns teilhaben, wie der geschwächte Morpheus (Dream) seine machtvollen Artefakte wiedererlangt und sich in seinem vernachlässigten Traumreich wieder zurechtfindet. Zu den Höhepunkten des ersten Sammelbandes gehört ein Ausflug von Morpheus in die Hölle oder den Horror in der Geschichte „24 Stunden“.

Fazit

Kurz: Falls du Comics magst, kommst du um diese Werke nicht herum. (Und eigentlich, auch wenn du keinen Comic magst). Dies ist der hervorragende Auftakt der Sandman-Reihe, der ich von der ersten Seite an verfallen bin

Alice liest 19... Spy x Family




 "Ich bin jetzt seit zehn Jahren Spion. Aber heute bin ich zum ersten Mal nervös!"

Der Spion "Twilight" hat eine ganz besondere Mission bekommen: den Ost-West-Frieden zu bewahren. Und das kann er nur, wenn er eine Familie gründet und sein Kind auf die Eden-Akademie schickt, und dafür hat er 7 Tage zeit. Nur weiß er nicht, dass seine Adoptivtochter Telepathin ist und seine Ehefrau eine Auftragskillerin ist...


Der Manga ist einfach nur zum tot lachen! Vom Start, wo sie Anya, die Adoptivtochter, vorbereiten für die Aufnahmeprüfung bis hin zum Aufnahmegespräch, sind so viele witzige Szenen drinnen. Vor allem wenn Anya als einziges von den Geheimnissen ihrer Eltern weiß, aber wiederum sie nicht wissen, dass Anya Gedanken lesen kann. Auch bei den Action-Szenen ist es fast schon lächerlich, wie alle aus der Familie Ausreden suchen und jeder es einem abkauft. 

Aber auch die Szenen, wo sich die "neu gefundene" Familie näher kommt, sind einfach nur herzerwärmend. Da erinnert man sich auch, dass Anya, obwohl sie Telepathie besitzt, trotzdem noch ein kleines Kind ist und als ehemaliges Waisenkind ein normales Leben mit ihren Eltern leben möchte.


"Spy x Family" ist eine richtig gute neue Reihe aus dem Hause Kazé. Wer also Comedy Manga mag mit einer Prise Action, muss "Spy x Family" einmal anlesen. Vor allem auch zu empfehlen für die Leute, die mehr Charakter als Story fokussiert sind, so wie ich! 

Montag, 8. Februar 2021

David liest 2... Hellblazer von Garth Ennis 1

Mit 35 Jahren mein erster Hellblazer (ja ich habe spät mit Comics angefangen) und meine Güte ... was hab ich all die Jahre verpasst!

Durchdachten, intelligenten Dialoge, tabuloser Umgang mit Krebs, Freundschaft und dem Tod. Zudem kommen noch (sensationelle
) List und Verschlagenheit des Magiers und Okkultisten. Wir erleben hier Constantine gequält, desillusioniert und getrieben. Da ich Anfang der 90er echt was verpasst.



Dämonisch gute Unterhaltung

Garth Ennis prägte diesen faszinierenden Antihelden auf ewig in diesem höllisch düsteren Horror-Klassiker. Denn in seinen finsteren, drastischen Storys geht es nicht nur um einen ebenso sarkastischen wie zynischen Kettenraucher im Trenchcoat, der mit seinen Tricks gegen Dämonen, Faschisten und sogar den Teufel antritt. Es geht vor allem darum, dass man für jede Sünde sowie jeden Sieg am Ende immer die Quittung bekommt.

Der erste Band umfasst satte 700 Seiten und beginnt mit mit dem grandiosen Dangerous Habits, gefolgt von dem nicht minder genialen Royal Blood. Allgemein ist die gesamte Reihe auf einem sehr hohen Niveau und lässt die Zeit wie im Fluge vergehen. Ausflüge mit Geschichten wie in Lord of the dance oder Constantines Geburtstagsfeier sorgen hingegen für die unbesorgten Lesestunden inmitten des okkultem Horror.

Ennis schreibt eine sehr geerdete, aber hochgradig zynische Story über den kettenrauchenden Okkultisten und liefert dabei wahnsinnig gute Unterhaltung.

Fazit

Ich bin zwar ein "Neuling" aber ich denke dieses Werk ist als "must-read" einzustufen!
Die Zeichnungen finde ich persönlich atmosphärisch sehr dicht eingefangen. Eher dreckig, oft rudimentär, meistens 
aber gleichermaßen seltsam und passend. Farben werden spärlich und gezielt eingesetzt. Also weit weg vom knallbunten Popcorn-Comic, der hier aber fehl am Platz wäre. Wer die Geschichten rund um John Constantine noch nicht kennt, der muss hier einfach zuschlagen.

In kurz: Dieser Comic gehört zu meiner absoluten Toplist.


Wertung: 5/5

Mittwoch, 3. Februar 2021

David liest 1... Little Bird - Der Kampf um Elders Hope



Kanada wird von der neuen, fanatisch religiösen amerikanischen Regierung besetzt. Die USA haben sich in dieser Endzeitvision zu einem diktatorischen Religionsstaat entwickelt in der Genmanipulation an der Tagesordnung ist. Unter dem Vorwand missionarischer Expansion wird das nordamerikanische Nachbarland auf das brutalste Unterdrückt und deren Ressourcen ausgebeutet.
Die aufstrebende Rebellion wird zunächst vernichtend geschlagen und Little Bird, die Tochter der Rebellenanführerin, zieht los um einen legendären Krieger zu befreien. Beide ausgestattet mit dem Unsterblichkeits-Gen, bereit die Aggressoren zurückzuschlagen.


Vorweg, diese Graphic Novel kann meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllen. Das macht den Comic nicht unbedingt schlecht - aber es ist kompliziert.
Die parallel zu Faschismus, das erstarken der religiösen Rechten weißen zwar erschreckende Parallel zur heutigen Zeit auf. Krieg als Mittel zur Steigerung der wirtschaftlichen Macht und moralische Argumente zur Verschleierung eigener Interessen sind nicht neu und kreativ. Das hat man alles schon mal gelesen oder gesehen. Hier kann ich den vielen Vorschusslorbeeren nicht folgen, die diese Geschichte als kreativ und innovativ beschreiben.

Wirr und blutig

Die esoterisch, spirituellen Ausflüge finde ich eher anstrengend, denn nachdenklich oder unterhaltsam. Wenn man diese nicht mag oder mit Ihnen nichts anfangen kann, erschwert das den Zugang zu diesem Comic ungemein. Allgemein kommen viele Erklärungen viel zu kurz, das World-Building passt für mich nicht.

Die Rebellen sind klischeebedingt natürlich indianerstämmig und erdverbunden (klar die Guten!). Der Krieger ein axtschwingender Barbar, der wiederum an einen Wikinger erinnert. Immer wieder werden hier Herkünfte und Mytholgien in einen Topf geworfen ohne zu differenzieren. Immer wieder stelle ich mir zudem die Frage, ob es sich um ein dystopisches Zukunftsmärchen oder doch nur um einen psychodelischen Gewaltexzess handelt. Vielleicht macht aber genau dieser Mix für viele Leser den positiven Reiz aus.

Immer wieder werden Einflüße und Bilder zusammengebracht, die Story bleibt dabei unlogisch und bildet den Rahmen für ein sich wiederholendes Massaker und Gemetzel. Diese wird hin und wieder unterbrochen durch persönliche Schicksale und ein paar nachdenklichen Passagen. Der Fokus liegt aus meiner Sicht aber mehr auf der bösen Seite. Die Charakterentwicklung bleibt dabei leider auf der Strecke und ich konnte dadurch auch kaum eine Bindung zu den Helden bzw. der Heldin aufbauen. Bei den Nebencharakteren finden sich aber immer wieder interessante Figuren, geheimnisvoll und nicht in Gut/Böse klassifizierend.

Ein optisches Meisterwerk

Die Zeichnungen hingegen finde ich äußerst gelungen und stimmig. Dieses skizzenhafte, die manchmal unvollendete Strichführung, mit vielen Linien und Punkten, kreieren einen Detailreichtum, den ich so selten gesehen habe. Für diese dreckige Welt mit Ihrer düsteren Geschichte ist das genau das richtige Stilelement und passt toll in das Konzept dieses Comics. Die klasse Kolorierung trägt zum optischen Erlebnis bei und spielt in den richtigen Momenten Ihre gezielte Farbeinsatz und -Intensität gekonnt aus.

Fazit

Visuell beeindruckend mit wenig nachhaltiger und wirrer Story.

Einen Zugang habe ich leider nicht gefunden, das mag anderen vielleicht anders ergehen. Die vielen Auszeichnungen und die positiven Kritiken haben meine Erwartungen zu hoch gesetzt - mein Comic ist es nicht geworden. Auf der anderen Seite kann ich den Reiz dieses psychodelisch, dystopischen Esoteriktrips (ein bisschen) nachvollziehen - hier hilft nur ausprobieren.


Wertung: 3/5

Freitag, 29. Januar 2021

Alice liest 18... Ein Zeichen der Zuneigung

"Bisher habe ich meinen Blick immer in die Ferne gerichtet. Wer hätte gedacht, dass mal etwas ganz in meiner Nähe mein Interesse wecken würde."

Yuki, eine taube Studentin, wurde zufällig von einem Touristen angesprochen und wusste nicht, wie sie ihm anworten soll. Zum Glück kam Itsuomi, ein Student aus ihrer Uni, der gerne die Welt bereist, zur Hilfe und hat dem Touristen geholfen. Yuki ist von der ersten Sekunde an fasziniert von Itsuomi und will ihn mehr kennenlernen.

Ich bin glücklich, dass es langsam immer mehr Romance Manga gibt, wo die Protagonisten älter sind und nicht mehr in der Highschool sind. Weil die Hauptcharaktere älter sind, geht es auch schneller mit deren Beziehung voran und brauchen nicht lange zumindest befreundet zu sein. 
Es ist eigentlich nur eine süße Geschichte zwischen zwei Menschen, die interessiert sind an die Welt der anderen. Auch super sind die Infoseiten am Schluss. Ich habe schon lange den Drang Gebärdensprache zu lernen und über die Unterschiede zwischen der japanischen und der deutschen Gebärdensprache zu lesen war sehr interessant.

Es ist mal wieder eine niedliche Story vom Duo 'suu Morishita', die auch "Daily Butterfly" und "Short Cake Cake" geschrieben und gezeichnet haben. Wer also auch so schon die beiden genannten Manga mag und mehr von suu Morishita lesen möchte, ist dieser Manga nur zu empfehlen. Auch für Fans von "A Silent Voice", die weniger Drama aber mehr Romance wollen, schadet es nicht, den ersten Band mal eine Chance zu geben. 


Montag, 18. Januar 2021

Alice liest 17... Nie Wieder Minirock!

 "Ich bin nicht so schwach, dass ich mich von 'nem Kerl beschützen lassen müsste! Wirf mich nicht solchen Mädchen in einem Topf!"


Trigger Warnungen: sexuelle Belästigung, Stalking 

Nina Kamiyama war beliebte Leadsängerin von der Idol-Gruppe "Pure Club", doch seit einem traumatischen Erlebnis will sie nichts mehr damit zu tun haben, auch dass sie nicht mehr als Mädchen angesehen werden möchte. Aber ein Mitschüler erkennt, dass Nina die ehemalige Leadsängerin ist und beginnt sich um sie Sorgen zu machen.


Noch nie war ich begeistert wiederum so angewidert, als ich den Manga gelesen habe. Auch wenn die Momente, wo Nina mit ihren ehemaligen Gruppenmitgliedern über Liebe geredet hat, niedlich waren, gibt es so viele Momente, wo ich ernsthaft überlegt habe, wie man einem Charakter in einer fiktionalen Welt eine Backpfeife geben kann.

Aoi Makino schafft es immer wieder diese bitter-süßen Geschichten auf das Blatt zu bringen. "Nie Wieder Minirock" ist ihre erste Reihe und bin auch richtig glücklich, dass sie diese Geschichte nicht wie ihre anderen veröffentlichen Werke nur ein Band umfassen. Die Charaktere sind gut aufgebaut und wie der Mangaka Ninas Trauma darstellt ist super. Man kann nur mit ihr fühlen und hofft nur auf das Beste für sie.


Wer also Aoi Makinos andere Werke mag wie "REC" oder "Hal" oder Lust hat auf ein Shojo-Manga mit sehr ernsten Themen, dann kann ich den Manga nur empfehlen. Auch mit dem Einsteigerpreis von 5 Euro, kann man "Nie Wieder Minirock" eine Chance geben. 




Montag, 11. Januar 2021

Alice liest 16... Hell Warden Higuma

 'Genau! Diese Hölle. Seit etwa 400 Jahren entkommen offenbar immer wieder Tote von dort. Sie schleichen sich ins Diesseits und bringen Menschen dazu, Böses zu tun. Wer von ihnen besessen ist, benimmt sich wie ausgewechselt.'

 

Ayaha, die besessen von einem Dämon ist such nach Hilfe und trifft so auf Higuma. Er ist ein Höllenwächter und muss Totengeister, die der Hölle entkommen sind, zurück schicken. Nachdem er Ayaha von dem Dämonen befreit hat, will sie ihm auf irgendeiner Weise zurück zahlen und wird so vom Teufel höchst persönlich zu einem Bunresha, einen Schützling vom Höllenwächter, ernannt.


Was mich als erstes gecatcht hat, war das Cover. Die Characterdesigns der einzelnen Charaktere sind super und jeder Dämon sieht besonders und einzigartig aus. 

Ich liebe auch die Idee mit den fliegenden Dämonenhänden. Nachdem Higuma einen Dämonen besiegt hat, nimmt er die Hände von ihm und nutzt sie vollkommen aus. So kommen Szenen wie er technisch gesehen gegen sich selber "Smash Bros" spielt und indirekt sich um den Haushalt kümmert. 


Der Manga ist in 3 Bänden abgeschlossen (wo die ersten 2 Bände zur Zeit schon draußen sind). Wer also Lust hat auf eine kurze Reihe voll mit Action und Comedy, ist "Hell Warden Higuma" ein witziger Zeitvertreib und kann diesen Manga vollkommen empfehlen!